By Sascha
25 Jan, 2009 11:40 am
Das Interview von Xavier (Notebooks.com) mit Rahul Sood (Blog – Twitter) ist mir in den letzten beiden Tagen wirklich nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Grund genug den Videoskypcall der beiden auch hier zu veroeffentlichen und einige persoenliche Anmerkungen zu machen. Rahul ist der Gruender von Voodoo PC (gehoert inzwischen zu HP), also High End Kisten mit allem Schnickschnack und in Preisregionen, in denen ihr auch euer Netbook mit Blattgold ueberziehen lassen koennt, und somit natuerlich ein wenig beunruhigt, ueber die enorme Nachfrage nach kostenguenstiger Hardware:
Selbstverstaendlich kann ich Rahuls Position absolut nachvollziehen, dennoch muss ich Sie ja nicht teilen (zumindest nicht komplett, denn er nennt in seinem Blogposting einige Punkte, die ich direkt unterschreibe).
Um den ganzen Hardware Wahnsinn zu verstehen, muss man die Uhr mal um 25 Jahre und mehr zurueckdrehen. Mein erster Computer war ein ZX81, den mein Vater von einem Arbeitskollegen ausgeliehen hatte. Der Z80 Prozessor mit 3,25 Mhz und 1KB RAM waren damals ja nahezu unfassbar (die 6fach belegte Folientastatur uebrigens auch).
Es kam was kommen musste, scheiss auf den Sinclair, der Brotkasten musste her und mein C64 mit Datasette fuer umgerechnet fast 1200 Euro stand auf dem Schreibtisch meines Kinderzimmers. Noch nicht einmal 1Mhz hat die verbaute 6502 CPU und auch die 64KB RAM des 64ers blieben nur den Assembler Jungs vorbehalten. Aber was dann in den kommenden Jahren aus dieser Kiste gequetscht wurde, das ist der Wahnsinn!
Und woran lag das wohl?
Richtig, die Entwickler mussten damals mit der Hardware auskommen, die verfuegbar war und dann reden wir ebenfalls noch ueber Produktzyklen von 5 Jahren und mehr! Anstatt mit Gigabyte und Ghz rumzusauen, war kreatives und innovatives Denken gefragt. Es gab Coder-Wettbewerbe fuer das beste Programm unter 10KB oder die beste Demo und da kamen Dinger raus, die auch heute noch absolute Hingucker sind (siehe auch Demoszene)
Ich moechte nicht wissen, wieviele Musiker noch immer Tracker und Sequencer auf dem C64 nutzen und wieviele Amigas und STs immer noch ihren Dienst tun und das richtig gut.
Es geht hier nicht um die Kunst des Weglassens, sondern darum, wie ich die zur Verfuegung stehenden Ressourcen optimal ausnutze. Die Entwicklung auf dem Hardware Markt zeigt die ganze Dekadenz unserer Gesellschaft. Groesser, schneller, lauter, bunter! Fortschritt definiert sich durch mehr Ghz, mehr Cores, mehr Grafikkarten. PCs die soviel Strom verbrauchen wie ein komplettes Einfamilienhaus!
Fortschritt? Innovation?
AMD, Intel und Microsoft haben diesen Irrsinn gepuscht und wir haben den lecker Marketingkuchen immer brav gefuttert. Hast Du keine DirectX 10 Karte, kannste nicht die schicke Oberflaeche von Vista geniessen. Haste nicht nen Quadcore, wird das neue Spielchen nur auf der Mickymaus Kino Aufloesung laufen, mit 10 FPS.
In Koeln wuerde man diese Nummer Kluengel nennen, denn genau das laeuft seit Jahren zwischen den Hardware-, den Betriebssystem- und den Software-Entwicklern ab. Kauft weiterhin 500 Watt PCs um im Internet zu surfen.
Und jetzt knallen da auf einmal Netbooks und Weltwirtschaftskrise in dieses Profit-Paradies und das Gejammere faengt an. Netbooks sind der beste Narrenspiegel fuer die Industrie und Augenoeffner fuer den Verbraucher!
Gebt uns keine Hardware mehr, die wir eh nicht brauchen, sondern fangt endlich an weitere stromsparende Loesungen zu entwickeln. Da koennt ihr zeigen wie kreativ und innovativ ihr seid, denn Performance per Watt ist nicht nur ein Schlagwort, sondern der Indikator fuer ressourcenschonendes computing.
Entwickelt Grafikkarten, die 5W verbrauchen und trotzdem eine Leistung haben, die sich mit aktuellen 200W Modellen vergleichen laesst. Entwickelt endlich Software, die schonender mit den vorhandenen Systemressourcen umgeht. Hochintegrierte Chipsaetze die Codes und Medien direkt unterstuetzen, muessen vermehrt im Endkundenmarkt auftauchen.
Die ganze Branche kann hier extrem innovativ sein, aber es muss endlich begriffen werden, dass schneller, groesser und bunter nicht immer auch besser ist.
Netbooks sind ein erster Schritt! Oder was denkt ihr?













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