By Sascha
26 Nov, 2009 9:45 am
“Netbooks haben ein höheres Ausfallrisiko als Notebooks” so betitelt Golem.de einen gestern veroeffentlichten Artikel und beruht sich dabei auf die Studie eines US-amerikanischen Garantiedienstleister. Das macht sich natuerlich als Aufmacher erstmal richtig gut, denn Weihnachten steht vor der Tuer und was tut man nicht alles um den deutschen Verbraucher vor einem falschen Kaufentscheid zu bewahren. Ein Hosanna auf soviel Barmherzigkeit der Golem-Redaktion, auch wenn dem muendigen Leser (das sind zumindest schon einmal die, die sich trauen auf den Link zur Quelle zu klicken und den liefert Golem, anders als der Grossteil der deutschen Onlinepresse, immer mit) nach handgestoppten 2 Minuten klar werden duerfte, dass es sich hier eindeutig um schlecht recherchierten BS in “Nullen und Einsen” handelt.
Update: Auch die BILD-Zeitung liest Golem, natuerlich ohne die Quelle oder einen Link zu setzen aber wenn man einfach abschreibt, ohne sich eigenen Gedanken zu machen, wird der geistige Dummfug natuerlich schonungslos weiterverbreitet. Paradoxerweise ist der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Matthias Doepfner, ein strikter Verfechter des Paid-Content Modells, sprich die wollen in Zukunft von euch verlangen, fuer den Copy and Paste Journalismus auch noch zu zahlen. Herrlich!
Update 2: Keine Angst, es gibt noch mehr Experten da draussen: T-Online und die Netzwelt uebernehmen diese Studie ebenfalls 1:1! Magnus.de hat die Seite inzwischen geloescht. Kommentarlos! Glueckwunsch deutsche IT-Journallie, wer outet sich als naechster? Und der Preis geht an die RP-Online!
Ich zitiere mal kurz aus dem Pressekodex des Deutschen Presserat:
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.
Oooops
Update3: Einer von den “Grossen” meldet sich in den Kommentaren, natuerlich anonym, wie sich das gehoert und zeigt, dass es innerhalb der Zunft der vermeintlichen Profis auch richtig schlechte Einwandbehandler gibt (Kommentar nach dem Break)
Update4: Zur Ehrenrettung der deutschen Journallie, die ersten Blogger schnappen nun auch zu! Portablegear aus den Niederlanden uebernimmt ebenfalls die Falschmeldung, dass es sich um eine 3 Jahre waehrende Langzeitstudie handelt.
Sascha, jetzt hör mal auf hier rumzuheulen! Is ja nichzmehr schön… Du machst Deinen Job ja ziemlich gut, aber auf den großen rumzuhauen is peinlich! Also: Spar Dir den Zwergenaufstand und überleg lieber selbst, ob Deine dauernde Amazon “Deal of the day”-Masche auch nur einen Deut besser ist…
Ach, hab ich ja vergessen – hier wird ja gar nich alles im Forum veröffenlicht! Nimmst als private Kritik an deinem mal wieder überschießenden Egos.
Ein Mitarbeiter der Großen
Ich denke da fuehlt sich einer der vorab genannten “Experten” angesprochen. Erst richtig in die braune Masse greifen und sich dann noch mit Haenden und Fuessen wehren, wenn diese Art des “Qualitaetsjournalismus” offenbart wird. Ich liebe sie
Erwarte ich eigentlich zuviel als “sogenannter” Blogger vom “sogenannten” Qualitaetsjournalismus, wenn ich von einem serioesen Magazin wie Heise und Golem (den Spiegel klammere ich seit den Patalongschen Erguessen kategorisch aus, die haben im IT-Umfeld aehnlich viel zu suchen, wie Peter Lustig als Tagesthemen-Anchorman) verlange, dass sie sich einfach mal 5 Minuten Zeit nehmen, ihre eigene Story aber auch die Quelle zu hinterfragen? Sind das nicht genau die von Murdoch, Burda und Co. hervorgebrachten, unschaetzbaren Vorteile des Journalisten? Aufwendige, teure Recherche und kein Copy and Paste Journalismus zwischen Tagesschau und Wetterkarte (dafuer gibt es ja uns Amateure).
Vielleicht mache ich ja auch wieder nen Elefanten aus ner Muecke und natuerlich bin ich in Bezug auf Netbooks “leicht” vorbelastet, dennoch hatte ich in den letzten Wochen nicht einmal einen derart detaillierten Abdruck meiner rechten Hand auf der Stirn.
Zum Thema
SquareTrade verlaengert Garantieleistungen fuer alle moeglichen Geraete, u.a. halt auch Laptops und Netbooks. In einer 8seitigen Studie werden den Netbooks eine 20% hoehere Ausfallquote, als den teureren Laptops bescheinigt. Soweit so gut und Squaretrade liefert fairerweise auch noch eine Erklaerung zu den Ergebnissen, die ich ebenfalls bei Golem vermisse:
Given that netbooks have only really been around in volume for about 12 months, it will be interesting to see how their reliability plays out over the course of the next 12 months. SquareTrade will continue tomonitor the progress and publish an update of laptop and netbook failure rates in 2010.
Auf deutsch, Langzeitstudien sind ueberhaupt nicht moeglich, denn dafuer ist diese Produktklasse viel zu jung. Wir rechnen mal eben einfach hoch, das klappt beim Ulrich Deppendorf vom ARD-Wahlstudio ja auch seit Jahren wunderbar (obwohl die Amis den wohl nicht wirklich kennen duerften^^).
3 Year laptop accident rates are based on projections from 2 years of accidental damage data using a straight‐line projection.
Selbst die Zahlen fuer Laptops sind also geschaetzt. Interessant. 12 Monate an Netbook Daten und 24 Monate an Erfahrung mit Laptops werden in einen Topf geschmissen, ordentlich umgeruehrt und schon haben wir unsere 3jaehrige Langzeitstudie und auch wenn der groesste gemeinsame Nenner nicht vorhanden ist, wir tun einfach so, als spiele das keine Rolle!
Wir graben uns tiefer in diese mit 8 Seiten extrem umfangreiche und komplexe Studie ein und fragen uns, wieviele Systeme SquareTrade wohl in seine Ergebnisse hat einfliessen lassen, woher diese stammen und wie sie ueberhaupt RMA-Faelle bemessen und bewerten koennen. Auch hier wird man umgehend fuendig:
Appendix: Notes about the Data and Methodology Used
SquareTrade randomly selected over 30,000 laptop and netbook computers for this analysis. We included only items that were purchased brand new (i.e. not refurbished or used).
The following disclaimers apply to our data and analysis:
- As there is no sharp line that divides the definition of a netbook and laptop computer,
SquareTrade has used the price point of under $400 to define the netbook category in this
analysis.- Only malfunctions reported directly to SquareTrade are included in the data. Other malfunctions, including software issues handled directly by the retailer, problems associated with product recalls, and those fixed by software/firmware updates, may not be represented in this data.
- We did not take into consideration purchase location.
Na, klingelt es langsam? Wundert ihr euch auch, wieso diese Studie die Grundlage fuer den Golem-Artikel sein kann und warum eigentlich jeder Hersteller den SquareTrade Leuten die Fuesse kuessen muesste (denn mit Netbooks kann man schliesslich nichts verdienen)? Wenn nicht, dann lasst uns gemeinsam jegliche Serioesitaet und Glaubwuerdigkeit dieser Studie versenken.
Einfach auf die Startseite von SquareTrade gehen und die Garantiekosten fuer ein $1000 Laptop und ein $350 Netbook berechnen lassen. Die $1000 Maschine wird fuer $149.99 versichert, wohingegen man fuer ein $350 Netbook nur $59.99 auf den Tisch des Hauses packen muss. Na, womit moechte man wohl am liebsten verdienen? An dem $60 Vertrag fuer ein Netbook (welches ja viiieeeeel haeufiger in die Reperatur muss, als ein Laptop) oder dem Notebook “Rund um sorglos”-Paket?
Ein wenig mehr Recherche und Golem muesste sich nicht der Aufmerksamkeit der Trolle in den Kommentaren sicher sein. Da geht naemlich wieder richtig die Post ab:
Solche Daten sollten öffentlich sein
Autor: Siga4329742Und nein. Es gibt keinen Grund, sowas geheim zu halten.
Abzocke und Schrott-Verkauf muss der Staat nicht fördern.
Sowas sind keine Geschäfts-geheimnisse sondern Geschäfts-Schande und Kunden-Abzocke.
Auf den Tisch damit
oder:
Neppbooks
Autor: Verkäufer
Bei uns im Laden heißen die Dinger Neppbooks. Der dumme Kunde der so ein Mist kauft ist selber Schuld. Die Dinger kommen so häufig zurück, das es einem der Kunde Leid tut.Die Zentrale rechnet immer noch mit dicken Gewinnen aus dem Verkauf. Wenn die endgültigen Zahlen da sind, werden die Schlipsträger nervös. Ich hoffe, das ich bis dahin einen neuen Job haben werde. .
Ohweia!












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