By Roland
26 Nov, 2009 8:32 pm
Der Hickhack um den Begriff “Smartbook” geht in diesen Tagen in eine neue Runde, weil die deutsche Firma mit diesem Namen nun auch international ihre Rechte geltend machen will. Schließlich hat man die letzten Monate genutzt, um die Marke in diversen weiteren Ländern schützen zu lassen. Doch was verkauft die Firma aus Köln eigentlich? Nachdem man lange auf eine Reihe von höherpreisigen Laptops und Gaming-Systemen setzte, sind es nun ausgerechnet Netbooks, mit denen man sich im Markt behaupten will. Wollen wir also mal einen Blick auf die von der Smartbook AG verkauften “Smartbooks” werfen, die eigentlich nichts weiter sind, als günstigst in China eingekaufte Standard-Netbooks. Zum einen bietet das Unternehmen das absolute Massenmodell der 10-Zoll-Klasse des chinesischen Marktes an, das dort die Bezeichnung S40 trägt. Außerdem hat man noch ein 12-Zoll-Modell im Angebot, das bereits als netter Versuch eines MacBook Air-Klons zu einiger Bekanntheit gelangte. Die Preise sind allerdings keineswegs auf chinesischem Niveau.
Schon auf den ersten Blick wird klar, dass die Smartbook AG offenbar auch nur mit Wasser kocht. Zunächst einmal beschränkt sich die Produktpalette auf ganze zwei Geräte. Um dem Ganzen einigen Pepp zu verpassen, geht der deutsche Mini-OEM oder wohl eher Systembuilder durchaus ungewöhnliche Wege. Mit viel Aufwand wird ein Image geschaffen, das von den Produkten auf den zweiten Blick wohl nur schwer untermauert werden kann. So wird das “Smartbook ZENiD” in der Variante “Crystal” in einer auf 20 Stück limitierten Exklusivedition, die mit zahllosen Svarovsky-Kristallen besetzt ist. Zum Preis von günstigen 2001,- Euro (in Worten: zweitausendundein Euro) gibt es dann auch noch eine Flasche Schampus und einen teuren Koffer dazu. Daran, dass es sich um ein billiges Allerwelts-Netbook aus China handelt, ändert dies allerdings nichts.
Schaut man sich beim B2B-Portal Alibaba einmal für fünf Minuten um, findet man gleich mehrere Anbieter, die das S40 für Kunden wie die Smartbook AG auch in geringen Stückzahlen liefern. Dazu gibts gleich eine nach Wunsch des Kunden gestaltete Verpackung und nach Bedarf auch noch eine modifizierte Konfiguration. Ganz nach Belieben kann das S40 entweder mit der “Standard-Plattform” rund um den Intel Atom N270 oder auch in einer aufgebohrten Variante mit Intel Atom N280 geordert werden. Auch die Verwendung von VIAs Netbook-Plattform ist möglich, so dass die Geräte dann mit VIA C7-M oder Nano Prozessoren daher kommen.
Zum Preis von 299 Euro erhält der Kunde bei der Smartbook AG mit dem Basismodell ZENiD GC also ein chinesisches Netbook, das dort zu Preisen von umgerechnet gerade einmal 140 Euro vertrieben wird. Es basiert auf dem Intel Atom N270 mit 1,6 GHz, dem die typische Standard-Ausstattung zur Seite steht. Das 10-Zoll-Display löst mit 1024×600 auf, es gibt 1 GB RAM und eine 160-GB-Festplatte. Hinzu kommen 100-MBit-LAN, 54-MBit-WLAN, ganze 2 USB-2.0-Ports, VGA-Out, Audio-Anschlüsse, Kartenleser und eine Webcam. Grundsätzlich wird nur ein 2200mAh-Akku verbaut, der für rund 3 Stunden Laufzeit reichen dürfte. Als Betriebssystem kommt Windows XP in der ULCPC-Lizenz zum Einsatz. Beim “Pimp”-Modell “Crystal” wird die Hardware etwas aufgebohrt – Intel Atom N280, 2 GB RAM und eine 320-GB-Festplatte, doch das war’s dann auch schon wieder. Um den irrsinnigen Kaufpreis von 2001,- Euro zu rechtfertigen gibt’s wie erwähnt noch eine Flasche Schampus und einen Koffer dazu – und natürlich die kristallbesetzte Haube.
Warum ich euch das alles überhaupt erzähle? Weil es einfach nur ein Unding ist, der Presse und diversen Herstellern einzuheizen, weil man eine ach so edle Marke zu verteidigen hat, die letztlich doch nichts weiter zu bieten hat, als China-Netbooks der billigsten Sorte. Das S40 ist die Weiterentwicklung des S30, das das günstigste Netbook auf dem chinesischen Markt war. War deshalb, weil das S40 noch günstiger gefertigt und somit auch verkauft werden kann und nun die Stellung des S30 eingenommen hat. Besonders dreist ist es außerdem, dieses absolute Billig-Netbook dann mit irgendwelchen Klunkern zu bekleben und ein irrsinnig teures Paket zu schnüren, das seinen Preis nie im Leben wert sein wird. Welche Alleinstellungsmerkmale es da zu verteidigen gilt, die eine Auseinandersetzung mit der gesamten IT-Industrie rechtfertigen, ist mehr als fraglich. Vielleicht lass ich mich morgen auch nochmal über die Dreistigkeit aus, einen 200 Dollar MacBook Air-Klon aus China hierzulande für 500 Euro anzubieten.















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