By Sascha
28 Nov, 2009 3:24 pm

Haette man mich vor einem Jahr gefragt, wer oder was sich hinter der Smartbook AG verbirgt, ich haette passen muessen. Smartbook AG? Nie gehoert und dabei dachte ich eigentlich, dass ich mich auf dem Hersteller-Markt ein wenig auskennen wurde, ja eigentlich sind mir auch die meissten deutschen OEMs ueber die Jahre ein Begriff geworden. Wie kann es also sein, dass ich eine Firma uebersehen habe, die seit einem Quartal wie ein Damokles-Schwert ueber der globalen „mobile computing“-Szene haengt? Es war an der Zeit der Sache auf den Grund zu gehen und was dabei herauskam, ist im Vergleich zum Intel/Psion Namensstreit bezueglich der Marke „Netbook“, ein Stueck mitten aus Absurdistan.
Immer wieder lese ich in den letzten Wochen und Monaten die Bezeichnung Hersteller in Kombination mit der Smartbook AG aus Koeln, wie es jedoch moeglich sein soll, dass der CEO der Smartbook AG sowohl der einzige Angestellte im R&D Office, der Produktion, dem Marketing Office und dem Vertrieb sein kann, ist mir ein Raetsel. Ja, ihr habt richtig gelesen, die sich so global gebende Smartbook AG bestand bis zum September diesen Jahres genau aus einem Mitarbeiter, dem CEO Dirk Pick, (uebrigens auch Head of Sales & Marketing der ehemaligen Astra GmbH, die 2004 spektakulaer in die Insolvenz gegangen ist)der die Smartbook AG 2006 aus der insolventen Issam Vertriebsgesellschaft hervorgehen liess. Seit Anfang 2007 gehoerte die Smartbook AG als Niederlassung West zu Wortmann, einem weiteren OEM aus Deutschland, der sich mehr schlecht als recht versucht gegen die lokalen Player durchzusetzen, was durchaus an der „Einzigartigkeit“ des Produktportfolios liegen mag. Siegbert Wortmann und Wortmann-Vorstand Tom Knicker bilden zusammen mit Issam-Gründer Issam Omairat derzeit noch den Aufsichtsrat des Unternehmens, die Smartbook AG gehoert jedoch zu gleichen Teilen dem CEO Dirk Pick (der uebrigens in seinem Xing Profil angibt, dass er Internationale Distributionspartner und Kooperationsmöglichkeiten sucht. Nur mal so als Hinweis auf die internationale Expansion) und der Ehefrau von Torsten Duffner.
Torsten who? Torsten Duffner kennt sich ebenfalls mit der ein oder anderen Insolvenz aus (irgendwie habe ich das Gefuehl, dass sich im Umfeld der Smartbook AG ein Sammelsurium an gescheiterten IT-Vertrieblern befindet), hat er doch schon als Leo-Geschaeftsfuehrer seine Firma vor die Wand gefahren (und u.a. wegen Bilanzmanipulationen zu einem Fall fuer die Staatsanwaltschaft gemacht), um dann bei der Brunen-IT die uebernommene Marke Belinea wieder aufzubauen, die aus der Maxdata-Konkursmasse uebernommen wurde. Der Erfolg? Bescheiden bis nicht vorhanden oder glaubt ihr allen ernstes, dass Belinea auch nur ansatzweise den Markt noch einmal als ernstzunehmende Marke durchdringen kann?
Aber was hat denn Torsten Duffner nun mit der Smartbook AG zutun, wenn wir mal davon absehen, dass seine Ehefrau 50% der Anteile haelt? Herr Duffner ist seit September fuer den Einkauf und Vertrieb der „Smartbooks“ in Europa zustaendig und verdoppelte mit der Unterzeichnung seines Arbeitsvertrages die Belegschaft der Koelner. Warum dieser ehemals so „erfolgreiche“ IT-Unternehmer zur Smartbook AG wechselte, verheimlicht er auch nicht. Gegenueber der Computer Reseller News sagte er aus, dass es erstmal oberste Prioritaet fuer ihn sei die Namensrechte zu sichern und er u.a. wegen des attraktiven Namens Potential in der AG sehen wuerde.
Merkt ihr was?
Aber lasst uns mal weiter in dem besagten Artikel buddeln und auf den Produktschwerpunkt zu sprechen kommen, denn dieser liegt auf Net- und Notebooks? What? Wir gingen doch bisher davon aus, dass die Firma Smartbooks herstellt und Geschaeftsfuehrer Dirk Pick liess vor 3 Monaten keine Gelegenheit aus der Presse mitzuteilen, dass er befuerchtet sein „guter“ Markenname und der Ruf der Firma koennten durch die Qualcomm Smartbook verwaessert werden.
Zitat CEO Dirk Pick:
Wenn wir uns nun nicht mit allen Mitteln wehren, müssen wir befürchten, dass unsere erfolgreich unter dem Markennamen Smartbook vertriebenen Modelle infolge Marketingaktivitäten der Qualcomm Inc. verwässert werden und der Konsument irgendwann bei dem Namen Smartbook nicht an mobile Lifestyle-Produkte unserer Marke Smartbook, sondern an irgendein tragbares Gerät mit Technik von Qualcomm denkt
Sie lablen also Net- und Notebooks (die eigentlichen Hersteller sind uns bekannt, was Roland bereits mit seinem Artikel bewies), nutzen somit u.a. eine Produktkategorie, dessen Namensrechte Intel sicherlich einige Mios gekostet haben duerfen, taufen diese in Smartbooks um (einen fuer mich absolut generischen Begriff, ist er doch aus 2 profanen Woertern zusammengesetzt und kann somit kein Kunstwort sein) und wollen der Welt nun weismachen, dass es sich um sehr aussergewoehnliche Systeme handelt. Nun, wie aussergewoehnlich diese Plattformen sind, kann jeder nach-recherchieren, der die asiatische ODM-Plattform Alibaba.com bedienen kann.
Die Smartbook AG stellt weder in Deutschland her, noch entwickelt sie irgendwas hier, es wird eingekauft und dann entsprechend „gebranded“. Sie sind aufgrund ihrer nicht vorhandenen Groesse, Infrastruktur und Marktdurchdringung noch nicht einmal ein OEM sondern ein winzig winzig kleiner Systembuilder!
Wie Torsten Duffner auf den sensationellen Absatz von 11000 Einheiten im September 2009 kommt, bleibt nicht nur mir ein Raetsel. Wuerde die Smartbook AG derartig viele Netbooks in Deutschland absetzen, haetten sie einen nicht zu verachtenden Marktanteil und wuerde vor allen Dingen als Marke wahrgenommen. Ich vermute dahinter einfach eine masslose Uebertreibung und PR-Nummer.
Der dritte im Bunde dieser Posse ist der Koelner Anwalt Steffen Wilde, der uns im August das inzwischen schon beruehmte Schreiben zukommen liess. Die Intention seines Handelns (und somit der ganzen Smartbook AG) liegt nach einem Forbes Interview (welches lustigerweise auch unter den Pressemiteilungen auf der Smartbook AG Seite zu finden ist) klar auf der Hand:
„As usual, money looks to be the fastest path to reconciliation. Smartbook AG is not interested in licensing its name. “Either Smartbook AG is the owner … or somebody else is,” says Wilde. “Any compromise in between would do nothing but harm the company brand.” The firm is, however, willing to sell it. “Anyone needing permission to use the trademark would have to come to the table and try to find a solution,”
Aha, er hat wenigstens die Eier (oder aber die Naivitaet) den Masterplan hinter der gesamten Smartbook AG Kulisse rauszuposaunen, was angesichts der 15 Minuten Ruhm die er durch den Forbes Artikel erhalten hat nicht wirklich nachvollziehbar ist. Forbes? Weltweite PR? Ja, da kann man schon mal ein wenig nervoes werden und seine Verhandlungsposition nachhaltig schwaechen.
Aber weiter im Text, denn zwischen August und November haben sich nicht nur die Markenrechte veraendert (inzwischen hat die Smartbook AG ihr Portfolio an Trademarks auf die Laender Austria, Australia, Benelux, Switzerland, Czech Republic, Denmark, Spain, Finland, France, United Kingdom, Italy, Democratic People’s Republic of Korea, Republic of Korea, Monaco, Norway, Poland, Portugal, Russian Federation, Sweden, Singapore, Turkey, Ukraine ausgeweitet), nein die AG versucht das Momentum zu nutzen und setzt alles moegliche daran, als globaler Player gesehen zu werden. Schauen wir uns einmal die aktuellen Veroeffentlichungen auf Pressebox.de an:
Partnerschaft zwischen Smartbook und Microsoft heisst es da. Wow, i am impressed, die Smartbook AG bezieht OEM Lizenzen von MS, ein Umstand den jeder Konkurrent noch nicht einmal erwaehnen wuerde, fur CEO Dirk Pick und Vertriebler Dirk Duffner aber eine richtige News, die dem Aussenstehenden wieder einmal den Eindruck geben soll, wie wichtig und gross das dynamische Duo aus Koeln doch ist. Schaut her, sogar Microsoft kooperiert nun mit der Smartbook AG!
Es folgen noch die Vorstellung des 2000 Euro Netbooks (ja, es ist ein Netbook und wird kein Smartbook wenn man da einfach ein paar Kristalle draufklebt) und natuerlich die sensationellen, internationalen Expansionsplaene, die natuerlich mit der doppelten Manpower nun auch ohne Probleme angegangen werden koennen. Interessant ist hierbei ebenfalls, dass auf Pressebox.de fuer ueber ein Jahr Sendepause war. Erst nach dem Start der Streitigkeiten mit Qualcomm wurde die PR-Offensive gestartet. Da mag sich jeder seinen Teil denken…
2 Insolvenz gestaehlte IT-Vertriebler, die jeweils bei Firmen mit zweifelhaften Ruf in entscheidenden Positionen eingesetzt waren und ein Anwalt wittern das schnelle Geschaeft. Die Frage darf erlaubt sein, warum sie solange gewartet haben und dann zuerst wieder Blogger anschrieben? Schon Psion wartete ueber ein halbes Jahr, damit die Intel Marketing-Maschinerie den Begriff „Netbook“ in den Markt druecken konnte, um dann die ersten Blogger zu kontaktieren. Der Verdacht liegt nahe, dass die Smartbook AG hier aehnlich verfaehrt.
Und zum Schluss noch der Lacher des Tages, denn Stefan Wilde schlaegt gegenueber dem Forbes Magazin noch vor, dass doch bitte Qualcomm und die Medien in Zukunft den Begriff “Phonebook” nutzen sollten, das wuerde die Geraeteklasse doch viel treffender beschreiben. Ja ne, is klar Herr Wilde!











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