By Roland
12 Apr, 2010 11:58 pm
So, jetzt gibt’s die volle Packung WePad. Anhand der Videos konntet Ihr ja bereits nachvollziehen, dass zumindest die Plattform schonmal einigermaßen brauchbar ausschaut. Jetzt soll es um die heute verkündeten Preise und die weiteren Neuigkeiten von der Pressekonferenz gehen. Wie bereits erwähnt ging’s dort hoch her, so dass in dem ganzen Trubel vielleicht unterging, was die Firma Neofonie an weiteren Auskünften preiszugeben bereit war.
Es war schließlich der erste breiter angelegte öffentliche Auftritt der eigentlich aus mehreren Partnerunternehmen bestehenden WePad-Macher. Warum man allerdings um ein von Pegatron gefertigtes Tablet so viel Aufhebens machen muss, frage ich mich wohl noch eine Weile. Zu allererst einmal war man bemüht klarzustellen, dass das WePad nicht von irgendwem auf den Markt gebracht werden soll… Es folgen: Fakten und Fragezeichen
Partnerschaft und Offenheit
Die Firma Neofonie kümmert sich scheinbar vor allem um die Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Verlagswelt und liefert eine eigene ePublishing-Plattform namens WeMagazine sowie die semantische Suchmaschine WeFind. Die übrigen Teile der Software entwickelt das ebenfalls in Berlin angesiedelte Unternehmen 4tiitoo. Dazu gehören die Benutzeroberfläche, das modifizierte Linux und die Cloud-Anwendungen des WePad. Trotz der eigentlich offenen Software-Basis setzt man vor allem auf Adobes plattformunabhängige Laufzeitumgebung AIR. Dennoch soll sich praktisch jede beliebige Linux-kompatible Software installieren lassen. Außerdem unterstützt man unter Verwendung eines Wrappers auch die Nutzung von Android-Apps. So wird die x86-Plattform eigentlich noch interessanter. Die Bandbreite verfügbarer Software wächst deutlich, auch wenn sie vielleicht noch nicht das Niveau von Windows erreicht.
Design & Interface
Das Interface wirkt durchaus interessant, auch wenn das Design dann doch reichlich altbacken wirkt… nicht unbedingt, was das Layout angeht, sondern eher bei diversen Details. Wann waren zum letzten Mal 3D-Effekte àla “Bevel & Emboss” in Mode? Heutzutage dürfte es da eigentlich ruhig etwas gediegener zugehen. Der riesige Desktop mit seinem vertikal scrollbaren Hintergrund ist auf den ersten Blick schonmal keine schlechte Idee. Rechts und links davon befinden sich außerhalb des Fullscreen-Modus zu jederzeit zwei Info-Balken die einerseits Bedienelemente für die Steuerung von Oberfläche und Anwendungen, andererseits aber auch Mini-Anwendungen zur Anzeige von Informationen aus dem Internet enthalten. Der Browser, zu dessen Basis bisher noch nichts gesagt wurde, unterstützt Flash und Java.

Man hat sich offenbar einigermaßen Gedanken gemacht, was die Touch-Bedienung der wichtigsten Anwendungen betrifft. Denn die Soft-Buttons wirken durchaus gut bedienbar. Das Onscreen-Keyboard wirkt durchaus brauchbar und steht flexibel zur Verfügung. Zusätzlich enthält die Seiten-Navi auch noch eine Scroll-Fläche, mit der man den vertikalen Desktop entlangnavigieren kann. Ich blicke noch nicht so recht, wie da das Umschalten zwischen mehreren Programmen funktioniert, aber Anfassen war ja heute verboten. Generell handelt es sich beim Interface sicherlich um einen Aufsatz und der Verwendung “anderer x86-kompatibler Betriebssysteme” wird wohl ebenfalls niemand unterbinden können.
“Schlüsselfertiges Gesamtpaket” für Verlage
Gegenüber Verlagen versprechen Neofonie und 4tiitoo ein “schlüsselfertiges Gesamtpaket”, das für “direkte und langfristige Kundenbeziehungen”, die “Basis für neue Formen der Kunden-Kommunikation” und eine “Kundenbindung für Paid-Content” sorgen soll. Dabei hat man unter anderem auch die “ältere Kernzielgruppe von Zeitungs- und Magazin-Verlagen, die keine PC-Erfahrung besitzt” im Auge. Die Verlage werden angeblich “nicht in die Rolle eines reinen Content-Lieferanten gedrängt, wie es bei iTunes und Amazon üblich sein soll. Besonders interessant ist dabei, dass die “Verlage mit dem WePad den Zugang zum und das Wissen über ihre Leser behalten” sollen. Freilich beschränkt sich das Angebot an die Verlage auf den ersten Blick auf den Vertrieb ihrer Inhalte über die Softwarelösung WeMagazine. Es dürfte also jedem selbst überlassen sein, ob er eventuell mitgelieferte Inhalte konsumiert und abonniert. Das Wort “Adware” könnte mit dem WePad allerdings eine ganz neue Dimension erreichen. Langfristig will man das WePad nämlich selbst zum Werbemittel machen: “Im Branding des Verlages” sei “das WePad auf dem Wohnzimmertisch ein hervorragendes Mittel zur Kundenbindung. Neue Nutzer gibt es für die Macher des WePad offenbar überall “abzuholen”, denn Print-Leser könnten “gezielt in die Online-Welt migriert werden zu Online-Marken, der Kontakt mit etablierten Internet-Playern, wie Google, Amazon und Apple, wird minimiert”, heißt es im Prospekt für Verlage ausdrücklich.
Hardware und Ausstattung – Netbook-Hardware plus X
Die Hardware dürfte wie erwähnt durchaus ihr Potenzial haben, wenn es denn richtig genutzt wird. Durch die Linux-Nutzung dürfte da mit Unterstützung von Intel und der ASUS-Ausgründung Pegatron, die in diesem Fall die Endfertigung übernimmt, einiges gehen. Der Intel Atom N450 ist der jüngste verfügbare seiner Serie und könnte mit ordentlicher Optimierung durchaus genügend Leistung für die von den Partnern geplanten Anwendungen auf Basis von Adobe Air, Flash, Java & Co bieten. Alle Verbesserungen, die die WePad-Entwickler an der Linux-Basis vornehmen, sollen natürlich entsprechend der freier Lizenzen veröffentlicht werden. Einen Flaschenhals stellt vielleicht die Befeuerung des mit 1366×768 Pixeln doch recht hoch auflösenden 11,6-Zoll-Displays mit der im Prozessor integrierten Intel GMA3150-Grafiklösung dar. Zumindest im geplanten Topmodell soll ein HD-Beschleuniger für eine reibungslose Filmwiedergabe bei 720p sorgen. Um was für einen Chip es sich handeln soll, wollte man heute nicht sagen, es hieß lediglich, dass es sich definitiv nicht um einen Nvidia “ION 2″ aka GT218 handelt. Broadcom bleibt dann wohl als einziger Lieferant eines entsprechenden Chips übrig.
Die Basisversion des WePad bietet mit 16 GB recht überschaubaren Speicherplatz. Per SDHC-Kartenleser können allerdings bis zu 32 GB dazuaddiert werden. Dies gilt auch für das teurere Modell mit seinen ab Werk verbauten 32 GB SSD-Speicher. Die Anschlussvielfalt beschränkt sich auf zwei USB-Ports, einen Kopfhöreranschluss und den Stromanschluss. Bei der teureren Ausgabe kommen ein SIM-Kartenslot und ein HDMI-Ausgang hinzu. Außerdem gibt es in jedem Fall eine 1,3-Megapixel-Kamera, die auf den Nutzer gerichtet ist. Der Touchscreen ist grundsätzlich Multitouch-fähig und arbeitet kapazitiv. Da das gezeigte Sample ja nun leider nicht “betouched” werden durfte, können wir zur Reaktionsfreudigkeit noch nichts sagen. Die Akkulaufzeit gibt man mit “rund 6 Stunden” an, genaue Angaben zum Akku wollten die WePad-Macher während ihrer Pressekonferenz aber nicht machen.
Natürlich ist das WePad größer als der mit einigen Vorschusslorbeeren versehen große Wettbewerber iPad. Mit 13 Millimetern Bauhöhe ist es allerdings sogar ein kleines Stückchen dünner, auch wenn die Rückseite anders als beim Apple-Produkt durchgehend gleich dick ist. Das Gewicht liegt aufgrund des größeren Displays mit 800 bzw. 850 Gramm (mit 3G) etwas höher. Es gibt zudem wie beim iPad einen Sensoren für das Umgebungslicht und Beschleunigung, sowie Stereolautsprecher und ein integriertes Mikrofon. In Sachen Zusatzausstattung will die WePad-Truppe auftrumpfen. Neben einer Docking-Station, Cases und Sleeves, einer Drahtlostastatur und Support für viele PC-Peripherieprodukte soll es bei der teureren Version neben zusätzlicher UMTS-Unterstützung und dem HD-Beschleuniger auch noch GPS geben.
Wer kümmert sich um Probleme?
Sascha hatte sich zwischenzeitlich eine durchaus interessante Frage erlaubt. Wenn das WePad eigentlich von Pegatron kommt, aber in Deutschland davon unabhängig vertrieben wird, wer übernimmt dann eigentlich den Support? Das Team um den Neofonie-Chef wollte dazu während der Pressekonferenz offiziell keine Stellungnahme abgeben. Im Publikum raunte man sich jedoch zu, dass der deutsche IT-Dienstleister Medion den Support gegenüber dem Endkunden übernimmt. Davon dürften die Kunden im Normalfall allerdings nur wenig mitbekommen, schließlich handhaben diverse andere Marken dies ähnlich.
Verfügbarkeit, Roadshow, Preise
Wann könnt Ihr euch denn nun endlich selbst mit dem WePad auseinander setzen? Während der Pressekonferenz hieß es, dass die Vorbestellungsphase am 27. April beginnt. Schon jetzt gibt es angeblich über 20000 Interessenten, die sich über die Möglichkeit der Vorbestellung informieren lassen wollen. Außerdem hat man angeblich bereits mit diversen Interessenten aus der Industrie Gespräche geführt, die das WePad ihrerseits in größeren Stückzahlen abnehmen wollen. Im Mai soll eine “Roadshow” durchgeführt werden, bei der sich “ausgesuchte Medienvertreter” und hoffentlich auch die potenziellen Käufer ein Bild vom WePad machen können. Im Juli will man dann mit der Auslieferung der ersten vorbestellten Geräte beginnen, bevor dann im August die breite Verfügbarkeit erreicht wird.
Die 16-GB-Variante mit WLAN soll dann zum Preis von 449 Euro online und offline in den Handel kommen. Das so genannte WePad 3G mit 32 GB, WLAN, UMTS, GPS und HD-Beschleuniger soll dann 569 Euro kosten. Bei der Pressekonferenz bemühte man sich umgehend, auf die Möglichkeit des Bundlings mit Abonnements oder 3G-Verträgen hinzuweisen.
Ich persönlich frage mich, ob es beim WePad ohne einen wirklichen Lock-In des Nutzers in ein schönes, gemütliches Ökosystem tatsächlich zum erhofften Erfolg kommt. Das Ganze wirkt recht offen, stammt doch die Hardware aus verlässlicher Quelle und Linux als Betriebssystem scheint ebenfalls eine solide Basis. Was die Plattform angeht, steht man also einigermaßen da, wenn denn die Akkulaufzeit letztenendes stimmt. Es muss sich jedoch erst zeigen, ob sich die kostenpflichtige Bereitstellung von Inhalten deutscher Printmedien auf dem WePad tatsächlich bewähren kann. Mit den großen Verlagen hat man nach eigener Aussage gut vorgesorgt, doch was wenn deren Preisvorstellungen von den Kunden nicht angenommen werden? Man könnte ja das WePad auch ganz ohne Software anbieten – oder mit einem anderen Betriebssystem.
Zunächst einmal gilt es eben die Software für das Geplante fertigzustellen, denn während der Pressekonferenz lief auf dem Demogerät eine Video in einer Schleife. Darunter war noch nicht einmal das eigentliche Betriebssystem im Einsatz, sondern das von Pegatron ab Werk wohl vorinstallierte Windows 7. Ja, Windows. Gefühlsmäßig sind wir alle schonmal voll mit dabei. Zitat Produktspezifikationen: “Das WePad ist ein Tablet-PC, der für seine Nutzer, Partner und Entwickler eine offene Plattform bildet. Für das We-Gefühl.” Wobei mir da schon wieder noch etwas einfällt: Was sagt eigentlich Nintendo zum Wii-Pad.




















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