By Roland
15 Apr, 2010 8:37 pm
“Das WePad ist ein Fake!” – So oder so ähnlich lautete die Meinung des einen oder anderen Bloggers und auch Journalisten nach der kürzlich durchgeführten Pressekonferenz, auf der das WePad erstmals öffentlich gezeigt wurde. Der Grund dafür ist so simpel wie dämlich. Auf dem Vorseriengerät aus Taiwan wurde während der Vorstellung lediglich ein Video gezeigt, in dem die Bedienung des Geräts mit dem so genannten WePad OS zu sehen war. Als dann eine Windows-Fehlermeldung gesichtet wurde, war der Beweis für so manchen sensationslüsternen Spezialisten erbracht: das Ding kann ja nur eine Fälschung sein. Dass dem nicht so ist, hat Helmut Hoffer von Ankershoffen, Chef der Neofonie GmbH, die das Gerät zusammen mit der Firma 4tiitoo entwickelt, nun im Gespräch mit uns klar gestellt. Nebenbei hatten wir auch noch die Möglichkeit, einige Hands-on-Fotos anzufertigen. Eines vorweg: Ja, die Bilder zeigen das Gerät im ausgeschalteten Zustand. Aber dazu mehr nach dem Bruch.
UPDATE: Mancher Kommentator hier und auf den WePad-Seiten bei Facebook stellt derzeit die Frage, wie denn ein ODM-Produkt und dessen Vermarktung unter verschiedenen Markennamen mit der Behauptung, das WePad sei “in Deutschland” entwickelt worden, zu vereinen ist. Es ist ganz einfach: Es werden die Anforderungen für ein Gerät festgelegt, woraufhin man sich auf die Suche nach einem Partner begibt, dessen Geräte die Wünsche des Abnehmers ganz oder teilweise erfüllen. So geschah dies auch beim WePad. Sind noch nicht alle Details so, wie es sich der Abnehmer wünscht, teilt er dies dem Hersteller mit, der entsprechende Anpassungen vornimmt.
Da es schwierig (sprich: extrem teuer) ist, sich die Rechte für den Vertrieb eines ODM-Produkts unter der eigenen Marke für einen ganzen Kontinent oder auch ein einzelnes Land zu sichern, kann es sein, dass das jeweilige Gerät letztlich von mehreren Anbietern in der gleichen Region angeboten wird. Die Geräte der verschiedenen Anbieter können sich aber durch die erwähnten spezifischen Änderungen unterscheiden. Genau so ist es auch beim WePad. Das von Pegatron gebaute Gerät wurde nach den Vorstellungen der Neofonie GmbH und ihrer Partner angepasst. Es wird aber in ähnlicher Form noch in diesem Jahr auch unter anderen Markennamen auf den Markt kommen. Der vor einigen Monaten bereits erstmals gesichtete ExoPC ist eine weitere Variante des WePad bzw. des als Basis verwendeten Pegatron Slate Tablets. Wer sich noch erinnern kann: Der ExoPC wurde ursprünglich als 8,9-Zoll-Tablet mit Intel Atom N270 angekündigt – inzwischen hat dessen Anbieter auf die Pegatron-Plattform gewechselt. /UPDATE
Dass auf dem WePad bei der Präsentation lediglich ein Film der Oberfläche lief, ist laut von Ankershoffen darauf zurück zu führen, dass man sichergehen wollte, das Gerät überhaupt zeigen zu können. So arbeitet der taiwanische ODM (pssscht, Pegatron!) derzeit noch an den Linux-Treibern für den Touchscreen, die in der kommenden Woche vorliegen sollen. Erst dann kann man das WePad überhaupt mit dem WePad OS sinnvoll vorführen. In der aktuellen Varianten dürfte der Touchscreen zwar bereits unter Windows 7 seinen Dienst tun, doch weil das Gerät letztlich mit dem WePad OS auf den Markt kommen soll, sah man keinen Sinn darin, es während der PK mit Windows zu zeigen. Bei unserem heutigen Gespräch hatte von Ankershoffen das Vorseriengerät dabei, doch wie es bei unfertigen Produkten üblich ist, gab es noch einige Probleme.
So hatte der Anschlussstecker für die Stromversorgung bereits reichlich gelitten und deshalb einen Wackelkontakt vorzuweisen. Mit etwas Druck ließ sich dies jedoch ändern, so dass wir das Gerät auch in Aktion vorgeführt bekamen. Ausgerechnet als es daran ging, das Interface genauer unter die Lupe zu nehmen, versagte allerdings das noch in der Entwicklung befindliche WePad OS seinen Dienst und wollte erst einmal eine Prüfung seines Dateisystems durchführen. Aus Zeitgründen mussten wir daher vorerst auf ein eigenes Hands-on-Video mit der Oberfläche verzichten. Fakt ist, Sascha und ich haben das WePad inklusive seines Betriebssystems in Natura und vollkommen live betatschen dürfen. In Kürze soll es eine zweite Chance geben, dann inklusive Touchscreen-Bedienung, denn bisher muss immer eine Maus genutzt werden.
Was die weitere Entwicklung des Geräts angeht, so gab sich von Ankershoffen sicher, dass man den recht ehrgeizigen Plan umsetzen kann, das WePad bis zum August marktreif zu bekommen. Derzeit werde weiter an der Oberfläche und den ab Werk geplanten Anwendungen gearbeitet. So soll es unter anderem einen allumfassenden App-Store geben, der nicht nur Googles Android-Marketplace, sondern auch anbieterspezifische Angebote und das Intel AppUp Center unterstützt. Letztlich kann der Anwender später also nicht nur fast jedes beliebige Linux-Programm, sondern auch spezielle Anwendungen aus den App-Stores von Google, Intel & Co auf dem WePad nutzen. Was die Akkulaufzeit betrifft, so versicherte man uns erneut, dass die in den Produktinformationen jüngst genannten 6 Stunden Laufzeit tatsächlich erreicht werden können. Dies sei auch bei ständigem Internet-Zugriff der Fall, so von Ankershoffen.
In Sachen Software gab es ebenfalls Zweifel. So wurde mehrfach gefragt, wie es einem “kleinen deutschen Unternehmen” wie der Neofonie gelingen soll, binnen weniger Monate ein eigenes Linux inklusive spezieller Oberfläche auf die Beine zu stellen. Dass die Software durchaus ausgereift sein dürfte, wird klar, wenn man das WePad näher betrachtet. So kommt als Basis eine modifizierte Variante von Ubuntu Linux zum Einsatz, auf dem die WePad OS-Oberfläche als eine Art Aufsatz läuft. Die einzelnen Mini-Anwendungen werden teilweise von den Spezialisten der Neofonie GmbH entwickelt, die bereits reichlich Erfahrung auf dem Gebiet der Apps gesammelt haben.
Freut euch auf die nächste Woche, denn dann wird’s richtig interessant. Generell sollte man sich lieber selbst ein Bild machen, bevor man den Unsinn glaubt, den gestresste Journalisten kurz vor Redaktionsschluss zusammen husten oder manche Blogger als Click-Bait streuen. Punkt. Wer sich die Videos von der Pressekonferenz ansieht, sieht auf den ersten Blick, dass es sich um ein Demovideo handelt – was auch im Rahmen der Präsentation so gesagt wurde – schließlich sind die Effekte beim Übergang zwischen den einzelnen Sequenzen deutlich zu erkennen. Da braucht’s dann auch keine Fehlermeldung mehr.



















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