By Sascha
26 Jun, 2010 7:50 am
Du hast doch Aepfel auf den Augen! Ok, vom Gemuese zur Frucht ist es nicht weit und die deutsche Medien-Landschaft stellt dies besonders seit der Einfuehrung des Apple iPhones immer wieder mit Bravour unter Beweis. Was jedoch in den letzten 6 Monaten abging laesst sich nur mit einem medialen Massenwahn vergleichen, ja, ich gehe sogar soweit und hole das poese, poese Wort der Gleichschaltung aus der Blogging-Kiste, was fuer mich aufgrund der heuchlerischen Hetze gegen ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein durchaus ein persoenlicher, “innerer Reichsparteitag” ist. Die sogenannten Qualitaets-Journalisten (oder wie es Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters in seiner anbiedernden PR-Aktion nennt: “Die professionellen Journalisten”)versagen seit geraumer Zeit auf ganzer Linie, in dem sie die fuer Journalisten fundamental kritische Distanz vermissen lassen und zur 5. PR-Kolonne Cupertinos mutieren.
Update: Na ein Horrido aber auch. Kaum holt man mal die Apple-Keule raus und stimmt kein Hosianna auf den Verkaeufer der “magischen” Endgeraete ran, rappelts im Karton. Vielen Dank fuer das zuweilen heftige Feedback, ich denke ich habe die wichtigsten Kommentare beantwortet. Dass dieser Artikel einfach mal sein musste zeigten auch diverse Emails von den Kollegen der schreibenden Zunft, die im Grunde genommen den Tenor hatten, dass sie aehnliches auch mal gerne raushauen wollten (wohlgemerkt IT-Journalisten). 2 Kommentare haben es leider nicht durchs Qualitymanagement geschafft, was zum einen daran lag, dass mir ein bibelfester Rechtschreib-Fanatiker erklaeren wollte, dass doch der liebe Gott die 10 Gebote in die Steintafeln gehaemmert hat (wahrscheinlich direkt nachdem er selbige mit dem Nikolaus, dem Osterhasen und dem heiligen Geist ausgewuerfelt hat)und zum anderen an einem Pingback der “iPad-Hippe” Susanne Arbeit, die in ihrem “ultra-objektiven Bloegchen” nun ganz gross den Nazi-Alarm ausruft.
Den Vogel abgeschossen hat aber Robert Agthe mit seinem extrem komplexen Kommentar, der offenbar auf der Produktivitaetsplattform der Neuzeit verfasst wurde. Ich sag doch immer, virtuelle Tastaturen sind fuer die Fuesse.
Seltsam, dass sich bisher niemand ueber den eigentlichen Adressaten dieses Kommentars ausgelassen hat, naemlich zur deutschen Medienlandschaft.
Kein Tag ohne neue Schlagzeile unserer Jubel-Perser. “300 000 iPads am ersten Tag verkauft”, “600 000 am ersten Wochenende”, “iPad startet erfolgreicher als das iPhone”… verzeiht bitte, wenn ich nicht jeden einzelnen Titel dieser Recherche-Giganten auskrame und oeffentlich zur Steinigung anbiete, aber diese Reihe laesst sich stundenlang fortsetzen. Kaum eine Redaktion setzte sich auch nur ansatzweise kritisch mit dem Thema auseinander, vielleicht passt es einfach gar nicht ins Bild der Zeit oder mitunter haben die Schreiberlinge einfach auch ein wenig Mitleid mit dem ausgemergelten Jobs, der sich immer wohler in der Rolle des totalitaeren Priesters der IT-Scientologen zu fuehlen scheint. Ich kann es mir nicht mehr erklaeren, warum derartige Pressemitteilungen aus Kalifornien, wie die zum 3 Millionsten iPad-Verkauf, nicht mehr kritisch hinterfragt werden:
CUPERTINO, California—June 22, 2010—Apple® today announced that it sold its three millionth iPad™ yesterday, just 80 days after its introduction in the US. iPad is a revolutionary and magical product that allows users to connect with their apps, content and the Internet in a more intimate, intuitive and fun way than ever before.
“People are loving iPad as it becomes a part of their daily lives,” said Steve Jobs, Apple’s CEO. “We’re working hard to get this magical product into the hands of even more people around the world, including those in nine more countries next month.”
Lasst euch diese Zeilen einmal durch den Kopf gehen, bis sie auch die letzte Synapse gekitzelt haben… Und? Merkt ihr was? Wenn nicht, seit ihr definitiv kein deutscher Journalist und auch kein Apple-Fanboy (wenn man mir es auch nicht zutraut, ich habe nichts gegen Fanboys, nur muessen diese sich auch gefallen lassen, so tituliert zu werden!), denn unsere Medien holen nach solch ungeprueften Aussagen sofort zum grossen Rundumschlag aus und knallen die “Frucht-Propaganda” durch alle erdenklichen Kanaele.
2 Millionen iPads verkauft, 3 Millionen iPads verkauft. Unverifiziert wird jegliche Firmen-News aus Cupertino uebernommen und nach Apples Pfeife getanzt. Grandios, denn das schaffte bisher keine andere Firma.
Dass z.B. Google innerhalb von nur einem Monat eine 60%ige Wachstumsrate bei den Android-Aktivierungen mitteilt, inzwischen jeden Tag 160 000 Android-Endgeraete freigeschaltet werden und somit die Verkaeufe von iPhone und iPad um ein vielfaches uebertreffen, das geht in Deutschland offenbar voellig unter.
Aber warum eigentlich? Woher kommt diese ehrfuerchtige Unterwuerfigkeit bzgl. der Marke Apple? Wie kann es sein, dass ein Unternehmen mit einem derartig bescheidenen Marketing-Budget unsere Medien-Landschaft so beeinflusst?
Print, als auch TV sehen Jobs als den Moses der IT-Industrie an und seine 10 Gebote schreibt er auf die Steintafel der Moderne, dem iPad. Mit der Sandale, aeh dem iPad in der Hand soll Moses Jobs nun die Medienmacher aus dem Jammertal der sinkenden Auflagen und Einschaltquoten herausfuehren, koste es was es wolle. Offenbarender als Springer-Chef Matthias Doepfner kann man das eigentlich nicht mehr zusammenfassen, denn der liess sich doch tatsaechlich in seinem Charlie Rose-Interview zur folgenden, sensationellen Aussage hinreissen:
Jeder Verleger der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen, um zu beten und Steve Jobs dafür zu danken, dass er die Verlagsbranche rettet
“Kniet nieder ihr Bauern, der Steve ist zu Gast!” Diese Unterwuerfigkeit ist nicht nur einzigartig, sie zeigt vor allen Dingen auch in welch trauriger Situation sich die einstigen Medien-Monopolisten befinden. Alles fuer den Umsatz, koste es was es wolle um die Auflage zu retten und selbst wenn man sich damit mit dem Gross-Inquisitor der Content-Kontrolle ins Bett legen muss, denn genau das haben unsere “Medien-Macher” vor.
Apple kassiert nicht nur 30% der App-Einnahmen ab (man muss ihnen jedoch zu Gute halten, dass Abo-Modelle direkt ueber den Content-Provider abgerechnet werden), sie kontrollieren auch noch welcher Content denn “politisch korrekt” ist und welcher nicht. Da kann es schon einmal passieren, dass eine App mit Eiskunstlaeufern auf den Porno-Index geraet oder ein Prograemmchen, dessen Entwickler sich erdreistete das schlimme Wort des Konkurrenten “Android” in die Beschreibung aufzunehmen, aus dem Appstore verbannt werden. Wer immer noch so blauaeugig ist und meint, dass Apple doch nur die Verlage retten will, der sollte mal die Stern-Redaktionen nach den Erfahrungen mit ihrer App fragen. “Steve befiehl, wir folgen dir” anders kann man es wohl nicht mehr umschreiben, was da abgeht. Cupertino kontrolliert, zensiert und dirigiert und wie ‘ne traege Herde Kuehe nickt die deutsche Presse, ruft “Ja” und “Amen” und fuegt sich.
Das Phaenomen Apple wird weitergehen, unsere Medien werden eure Sinne weiterhin mit der Apple-Propaganda penetrieren und es wird auch in Zukunft eher selten sein, dass es Redaktionen wie die von Zapp gibt, die einfach die Eier haben und die Dinge beim Namen nennen:













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