By Matze
21 Feb, 2009 7:10 pm
III
Wohin geht’s also: AMD stellte sich Ende der 90er Jahre die Frage, wo die meiste Kohle zu holen ist. Antwort: Serverprozessoren. Gute Margen, Kunden mit denen man verhandeln kann und nicht diese nörgeligen „Poweruser“ die dann doch wieder Intel kaufen, weil die ja 2 fps mehr in Quake 3 schaffen. Nicht dass AMD die Zockergemeinde verprellen will, aber Phenom ist eigentlich ein Serverprozessor. Er ist optimiert auf viele,viele kleine Prozesse. Niedrige Speicherlatenzen sorgen für massig Durchsatz im Netzwerkbetrieb, durchaus konkurrenzfähig mit den 2-Miliarden-Transistor-Monster-Xeons, ohne auf monströse Caches zu setzen.
Intel konnte die Wolfdales auch lange nicht liefern, weil sie erstmal den Servermarkt mit 45 nm-Teilen versorgt haben. Fab ausgelastet-Katsching! Wen jucken da die paar Extreme-Editions, die sie nicht liefern konnten, wenn ein Top-Xeon das doppelte bis dreifache kostet? Die Prioritäten sind klar, am Servermarkt ist keine Sättigung in Sicht, er wächst mit der Nachfrage nach Datendurchsatz im Internet.
Bei Intel gehen übrigens ca. 2 Fabs nur für Cache drauf, die Flächenanteile auf den Dies sind riesig, locker 50 %. Des Zockers Freud ist des Herstellers leid, mit 512 kB 2nd Level ist bei aktuellen Games nix zu holen, anscheinend ist der Code während der Laufzeit schon im MB-Bereich, wenig Misses, hohe Performance. Aber dank 3rd-Level-Cache wird ja jetzt alles wieder gut. Ist deswegen „Kuma“ schneller als der alte X2? Muß ich mal recherchieren…
AMD kann im Dektop-Segment der schieren Leistung der Core2 und Core i7s wenig entgegensetzen, was dazu führt, dass die Phenoms von der Preisgestaltung her eher am unteren Ende der Exponentialfunktion rangieren. Aggressive Preispolitik, die Intelseitige Preissenkungen vorweg nimmt, wie jüngst mit den neuen Phenoms geschehen, tun ihr übriges, dass die Margen schmilzen. Naja, wenn AM-3 kommt, werden wir sehen, wer seine Hausaufgaben im Bereich DDR3-Implementierung besser gemacht hat. Alles in allem sahs mit der Auswahl im Hochleistungssegment schon schlimmer aus als Momentan, Tendenz: Daumen hoch!
Was ist denn jetzt AMDs Philosophie? Wie wollen sie diesem Strudel des Hinterherhinkens, Preisesenkens und Miesemachens entgehen? Wie in die schwarzen Zahlen kommen? Die Antwort: Plattformstrategie. AMDs Produktpalette umfasst inzwischen alles vom Prozessor über Chipsatz bis Grafik. Somit sind sie inzwischen an einem Punkt, wo das System als Ganzes wachsen kann, also keine Monster-CPU mit Veralteter Northbridge und Primitivgrafik, die nur von Fremdanbietern gerettet werden kann, sondern Well-Balanced-Systems. Getreu dem Motto: was ich an der CPU draufzahl, hol ich beim Chipset wieder rein, und mit der GPU mach ich Plus. Wenn bei AMD die Kohle da wäre, könnte sich Apple warm anziehen, man stelle sich ein AMD-Komplettsysten mit Open-Source-OS inklusive Leistungsfähiger 3D-Treiber (in Arbeit, dauert aber) vor, mit dem man vortrefflich Zocken kann… keine Windows-Gängelei, kein Apfel-Snobismus (zocken kann man damit ja nicht wirklich, Vorurteil meinerseits) – herrlich! Weiß ist eh keine Farbe für mich, Kaffee und Zigarettenasche würden das edle Finish ratzfatz ruinieren
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Aber das nur am Rande… wenn ich mir ansehe, dass Macs in Benchmarks teilweise 20 % Mehrleistung als Windows-Rechner haben (Adobe-Kram, Media-Processing), kann ich das nur auf progressives Systemdesign ohne Altlasten aus der PC-Steinzeit zurückführen. Vorbei ist die Zeit von paralleler Schnittstelle, ISA-Bus etc… wer weiß was noch für Bremsen in unseren BIOSsen schlummern? Oder, als anderes Beispiel: die 4 Pins auf der Southbridge der 7xx-Chipsätze, die, freigeschaltet, dem Phenom zusätzliches Übertaktungspotential gebracht haben. Wer hätte gedacht, dass Overclocking an der sich aufhängenden SB scheitern kann?
Wenn solche Schwachstellen weiterhin entdeckt und eliminiert werden können, auch z.B. bei der Kommunikation CPU-GPU sehe ich sehr feine Systeme mit weniger Bottlenecks und dadurch guter Effizienz auf uns User zukommen. Immerhin hat man einen Grafikkartenhersteller im Haus, die Synergieeffekte zwischen den Abteilungen könnten, sofern die innerbetriebliche Kommunikation funktioniert, den horriblen Goodwill der ATI-Aquise von ca. 3 Mrd. US-$ (OMG! Der ganze Laden hat jetzt ca. 1 Mrd. Marktwert) teilweise amortisieren. Die Konstellation Nvidia-Intel ist da bei äußerer Betrachtung erheblich konfliktgeladener: in vielen Marktsegmenten erbitterte Konkurrenten, bleiben die beiden Marktführer nur am Reißbrett friedlich, um neue Chipsätze zu designen. Wobei Nvidia wohl auch einiges an Reverse-Engineering betreiben muß, und es so nicht leichter ist, die Performance-Vorgaben der X4x- X5x- Chipsätze zu erreichen oder gar zu toppen. Die Intels lassen sich schließlich nicht in alle 52 Karten kucken. Genauer gesagt ist fraglich, wie viel Informationen die in ihre Specs packen. Aber wieauchimmer, Nvidia hat auch gute Leute. Wenn man sich vorstellt, dass so ein moderner PC aus 10 Miliarden Transitoren bestehen kann, ist es ein Leichtes, sich vorzustellen, dass da einige „Sollbruchstellen“ dabei sein können. Eine bewährte Architektur, die man in-und-auswendig kennt, hat da durchaus ihre Vorzüge. Intels Arbeitsabläufe scheinen aber recht gut organisiert zu sein, sonst würd im so nem Reisenladen ja nix zusammenlaufen.
IV
Somit sind wir also bei Intels Armada an Forschungskräften gelandet: bei der Prozessorentwicklung ist interdisziplinäre Gemeinschaftsarbeit Pflicht, wer renommierte Physiker für neue Photolitographieprozesse und Materialien wie Low-k-Dielektika oder SoI mit hervorragenden (Intel kann sicherlich personelles Rosinenpicken betreiben, bei dem Rennomee) Systemdesignern zusammenbringt, das ganze mit einem halben Jahrhundert Erfahrung kombiniert, der kann sich eigentlich nur selber das Leben schwer machen.
So, jetzt schmeiß ich euch noch ein paar Sachen um die Ohren, die mir so aufgefallen sind, und die ich mit euch teilen möchte:
Die Fertigungsphilosophie Intels bei Chipsätzen war bis zum X45 quasi Fab-FIFO: CPUs werden im modernsten (kleinsten) Fertigungsprozeß hergestellt z.B. 45 nm, Northbridges im nächst- oder übernächstgrößeren Prozess (65 oder 90nm), Southbridges in einem noch älteren (110 nm). So wurds zumindest bis zu dem Zeitpunkt gemacht, bis die NB viel mehr Saft zog als der Atom. Verkehrte Welt, betriebwirtschaflich aber einwandfrei.
ATI gab bekannt, sich bis zur Radeon 4xxx- Reihe beim Design keine Gedanken über die Leistungsaufnahme des Endprodukts Gedanken gemacht zu haben. Ich denk mal dass z.B. Intel sich spätestens beim P IV Gedanken gemacht hat.
Direct X 11 wird mit Unterstützung von Tesselation (Quasi „dumme“, schnelle Kantenglättungshardware bzw Polygoninterpolierer- macht die Ecken rund, himmisakra!) einerseits effizientere Shadernutzung ermöglichen (schnelle, sparsame Netbook-GPUs! Keine Quadratschädel mehr!), blöderweise wohl erst ab Vista aufwärts. Wie es sich mit der CPU-Last durch die Treiber verhält, bleibt abzuwarten (nimmt bei neueren Spielen eher zu als ab).
Intel kann AMD nicht kaufen. Wofür gibt’s denn Kartellbehörden?
AMD darf nicht pleite gehen, der Wettbewerbsmangel würde teure, wenig innovative Intel-Produkte zur Folge haben.
Schnellschüsse, Einfallslosigkeit, faule Kompromisse oder einfach nur kleine Nervigkeiten: haben wir in allen Lagern zu Hauf gesehen, wollen wir nicht mehr, werden sich aber auch in Zukunft nicht vermeiden lassen. Unsere Aufgabe als User-Community muß auch weiterhin sein, die Hardware-Hersteller mit fairem Feedback zu versorgen, damits bei denen Klick macht, an wen die da eigentlich verkaufen. Das Web bietet hierbei die Chance, regelrecht „Hardware-Open-Source“ zu betreiben: die User designen sich ihre Systeme mit Hilfe der Hersteller. Baukastensystem machts möglich, ich warte auf mein Zockernetbook.
(und hoffentlich nicht vergblich auf Firmenkooperationen im Sinne der Käuferschaft)
Danke an alle, die bis hierher durchgehalten haben.
I`ll be back,
Euer Milchmädchen
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