By Matze
08 Mar, 2009 12:27 pm
Die recht positive Resonanz, die unser Milchmädchen auf seinen letzten Gastkommentar erhalten hat, hat den sich dahinter verbergenden Karsten wohl ermutigt, seine Meinung zu weiteren Entwicklungen auch noch zu Papier zu bringen. In lockeren Folgen will er sich den neuen Prozesortechnologien von VIA, ARM und MIPS widmen, wobei heute die heiss ersehnten ARM CPUs den Anfang machen. Wie beim letzten Kommentar geht Karsten auch diesmal auf die Einzelheiten der Architektur ein, ordnet sie in einen computer-historischen Kontext ein und stellt einen Bezug zum Thema Netbooks her.
Nach einem eher mainstreamlastigen Beitrag, für dessen überaus positive Resonanz ich mich auf diesem Wege noch bedanken möchte, werde ich mich mich jetzt den eher weniger populären Marktteilnehmern des PC-Segments widmen: den ARM-, MIPS- und VIA-CPUs. Man kann sich unschwer vorstellen, dass die Bemühungen dieser Hersteller, im Netbook-Segment Fuß zu fassen, ungemein sein müssen, waren sie zwar nie in der Lage Produkte mit Spitzenleistungen zu liefern, doch ihr jahrzehntelanger Rückzug in die Nische „Effizienz“ muß zweifellos zu einer Menge Know-How im Bereich „Rechenleistung pro Watt“ geführt haben. Was dabei als jüngster Sproß, dem ARM Cortex A-8, heraus gekommen ist, möchte ich auf den nächsten Zeilen unter die Lupe nehmen. Sein Ururururururgroßvater verlieh übrigens seinerzeit dem ACORN Archimedes die beste Performance in der 8-MHz-Klasse.
Doch bevor ich auf Details eingehen möchte einige Grundüberlegungen vorweg: was muß mein Netbook können? Office-Anwendungen. Internetapplikationen, seien es Java-Games oder Youtube-Videos. „Multimedia“: vielleicht als Jukebox, Videoclient, oder ein mehr oder weniger primitives Spielchen, HD-Movies womöglich… letzteres einmal ausgeklammert, sind es wohl nicht gerade Powerapplikationen, die dem Rechenwerk da abverlangt werden, das konnten doch schon vor langer Zeit die… Handys! Heureka. Und was für Prozessoren wurden da verbaut? ARM-CPUs, heidewitzka. Teils von ARM direkt hergestellt, Teils als Xscale in Lizenznahme Intelseits. Tonnenweise. Wie viele „Smartphones“ wurden hergestellt, seit jemand zum ersten mal das Wort „UMTS“ in den Mund genommen hat? Ne Zillion oder so.
Und je länger „UMTS“ wie Blei in den Regalen lag, desto nervöser wurde natürlich die ganze Branche: „wir brauchen Killer-Applikationen, die die Leute „UMTS“-süchtig machen!“ murmelten die Manager wirr vor sich hin, auf ihrem Weg durch gestylte Loungen und lange Flure. „wenn die Leute immer nur SMS schreiben und Telefonieren, gehen wir irgendwann Pleite! Die müssen ins Weltweite Netz!“ Manager-Hirne arbeiten manchmal komisch. Pfade, die Gewinne versprechen, werden so lange ausgetrampelt, bis sich irgendwann die ersten die Haxen brechen. Dann blicken alle erst auf den Verletzten und denken: „ zum Glück ist mir das nicht passiert!“ dann blicken sie sich um, und sehen vor sich einen ausgetrampelten Pfad, hinter sich einen ausgetrampelten Pfad und sonst nur… Bäume. „Warum lassen wir dann nicht einfach die Telefonier- und SMS-Funktion weg, dann müssen die Leute doch ins Weltweite Netz!“ die Tagalpträume des Managers wurden jäh unterbrochen: „haben wir schon mal ausprobiert, die Dinger haben sich irgendwie nicht so gut verkauft.“
Und an wen wird der (Innovations-)Druck weitergereicht? An kleinere Firmen, bzw. Zulieferer. Wenn Konzerne wie Nokia oder Vodafone ein Ziel haben, wie z.B. die Revolutionierung des mobilen Internets, müssen Hersteller wie ARM die richtigen Produkte liefern können: winzigste Alleskönner-CPUs, die trotz ihrer paar 100 MHz den Akku nicht ratzfatz leergenuckelt haben, und Handys multimediatechnisch auf dem neuesten Stand halten.
Warum hat Intel nochmal den Atom gebaut? Ach ja, um Unterhaltungselektronik „x86-feeling zu geben“ brr… wer hat wohl die schwierigere Aufgabe gehabt? Videotext decoden und Fernbedienungssignale auswerten, der Atom sollte möglichst billig sein, als kleinen Nebeneffekt ist er so etwas wie „flott genug für Windows“ geworden. Wenn sich die Leute also fragen, warum sie in ihrem PC einen Handyprozessor haben wollten, sollten sie sich lieber fragen warum sie sich einen PC mit Waschmaschinenprozessor kaufen. Bloß weil „Intel, x86 und Windows“ drauf steht? Natürlich nicht! Sie kaufen die Atom-Kisten, weil nix anderes da ist.











