By Sascha
16 Feb, 2011 10:00 am
Ach ist das mal wieder eine herrliche News, die die belgischen Kollegen von De Tijd da ausgegraben haben. Ab dem 1. April will demnach Apple seine Geschaeftsbedingungen für den Vertrieb digitaler Zeitungen und Zeitschriften aendern und damit hoehere Einnahmen erzielen (was auch sonst). Apple will, dass dann die Verlage ihren Content nicht mehr ueber die eigenen Server ausliefern, sondern ueber die der Jobs Mannschaft, wobei dann natuerlich auch noch kassiert werden soll. Kostenlose Inhalte durch die App eines Contentanbieters soll damit ein Riegel vorgeschoben werden. Rock’n Roll!
(Content-Ferkel im Apple-Stall)
Das Geschaeftsmodell entspricht dann natuerlich dem der kostenpflichtigen Apps, sprich 30% bleiben in Cupertino und die anderen 70% gehen an die “Content-Fabrik”, denn genau dazu werden die Verlage verkommen. Obwohl das eigentlich noch zu nett ausgedrueckt ist, denn letztendlich sind es Informations-Mastferkel, die am Trog von Apple nippen muessen. Die 30% Beteiligung sind naemlich nur der Gipfel des Eisberges.
Apple – Die Datenkrake des 21. Jahrhunderts
Apple wird die Hoheit ueber die Benutzerdaten erlangen. Wer laedt welche Ausgabe runter, wie lange wird diese gelesen, welche Links angeklickt, um welche Uhrzeit wird der Content konsumiert? Die Liste laesst sich beliebig fortsetzen und jetzt kombinieren wir diese Daten einmal mit denen des angebotenen Video-Contents, der heruntergeladenen Apps, der Kreditkartennummer, Adresse, Alter, Location… – Apple kennt euch so genau, wie es Google immer wollte.
Wie weit dies reicht, gelangte zum ersten Mal im Sommer 2010 ans Licht der Oeffentlichkeit, als Apple auf Anfrage von 2 US-Abgeordneten zugeben musste, dass sie bereits seit mehr als 2 Jahren detaillierte Positionsdaten ihrer Nutzer sammelten (wir berichteten).
In diesem Sinne ein erneuter Gruss an Herrn Doepfner, der sich nun wohl 2 mal ueberlegen duerfte, ob er jeden Tag Steve Jobs fuers iPad danken wird und ein Stossgebet Richtung Kalifornien sendet. Der sich ebenfalls auf weiter sinkende Einnahmen einstellen muss, sollte Apple dieses neue Geschaeftsmodell am 1. April umsetzen. Und der sich dann wohl noch geschickter anstellen sollte, seine App-Verkaufszahlen zu frisieren (wir berichteten), denn 30% von diesen “Peanuts” (sorry, ich hasse diesen Ausdruck zwar, aber die Umsaetze die der Springerverlag mit seinen Apps generiert sind einfach ein absoluter Fliegenschiss)gehen nun auch noch in die Taschen von “His Greediness” Steve Jobs.
Apples Habsucht und Arroganz wird ueber kurz oder lang das groesste Problem der ehemaligen Piraten des Silicon Valleys, die sich inzwischen auffuehren wie die Oligarchen und Monopolisten, die ihnen einst so zuwider waren. Offenbar hat die “Volkspartij voor Vrijheid en Democratie” bereits die niederlaendische Medienaufsicht eingeschaltet und moechte ausserdem die für Medien zustaendige Kommissarin der Europaeischen Union, Neelie Kroes, einschalten. Dabei duerfte es durchaus helfen, dass sie der gleichen Partei angehoert.
Vorwaerts und immer weiter Steve, denn mit dieser Attituede sehe ich extrem gute Chancen, dass du den Fall deines Imperiums noch persoenlich erleben wirst.
Update: Wie Macnews berichtet, schickt Apple zur Zeit eine Email an die App-Entwickler in der von einer “Karenzzeit” bis zum 30. Juni gesprochen wird. Dann soll es nur noch moeglich sein die “In-App”-Verkaeufe ueber iTunes und damit Apple abzuwickeln. Das bedeutet, dass Entwickler und Content-Anbieter saemtliche Benutzerdaten Apple ueberlassen muessen, von den 30% Provision mal ganz abgesehen.
Update2: Sony bekommt als erster dicker Content-Provider die neuen Apple-Richtlinien zu spueren, denn die Sony Reader app wurde nicht fuer den iTunes Store zugelassen, weil innerhalb des Readers Content von einer externen Quelle bezogen werden kann. Apple hat zwar seine Richtlinien noch nicht geaendert (ueber die Amazon Kindle App laesst sich ja auch weiterhin Content vom weltgroessten Versandhaendler beziehen), bestaetigt aber auch Nachfrage, dass sie diese bereits einfordern. Will Sony also mitspielen, dann muss der Content der Japaner in die Obhut von Cupertino gegeben werden.
Irgendwie habe ich das Gefuehl, dass dies auch eine leicht cholerische Reaktion auf Sonys Ankuendigung ist, dass die Japaner ihre Playstation Titel in Zukunft fuer Android anbieten werden.
via Engadget
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Update3: Wie die Kollegen von Golem berichten, beruft der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger eine Krisensitzung ein, um einen gemeinsamen Kurs gegen Apple zu beschliessen. Nach Aussagen von BDZVs Hans Joachim Fuhrmann habe sich Apple nicht an getroffene Abmachungen gehalten und will die die deutschen Zeitungsverleger nun dazu draengen, ihre Apps bis zum 31. Maerz an das neue Abrechnungssystem des Apple App Stores anzupassen.
Jetzt kann man natuerlich seine Meinung zu Apples Praktiken haben (und meine persoenliche Einschaetzung habe ich ja ausfuehrlich beschrieben), die Frage ist, ob die Verleger nicht auch ein wenig naiv waren, sich nahezu exklusiv mit Cupertino einzulassen. Im Google HQ in Mountain View duerften wohl ein paar Luftschlangen durch die Gegend fliegen, denn letztendlich arbeitet Apple gerade mit aller Kraft daran, Contentprovider rueber nach Android zu treiben.
Update4: Langsam aber sicher erinnert mich die ganze Geschichte an den Zauberlehrling und die beruehmte Passage ueber “die Geister die ich rief”. Gestern traten Apples neue Geschaeftsbedingungen fuer die “InApp”-Verkaeufe ein und neben den schon bekannten Regeln, gibt es eine Passage, die fuer mich geradezu unglaublich klingt:
“Die Verleger dürfen keine Links mehr in ihren Apps setzen (zu einer Website beispielsweise), die den Kunden gestatten, Inhalte oder Abonnements außerhalb der App zu erwerben.”
Apple verbietet den Verlegern also Werbung fuer externe Abo-Modelle bzw. Angebote zu machen, die ausserhalb des Zugriffsbereiches von Cupertino liegen. Ok, es wurden auch schon Apps mit Bikini-Fotos und Schlittschuhlaeufern entfernt (dafuer darf jedoch in der Playbook-App “blank gezogen werden”, nur um euch einmal die Jobsche Doppelmoral vor Augen zu fuehren)oder Entwicklern untersagt den Ausdruck “Android” in ihren App-Beschreibungen zu nutzen, aber hier duerfte Apple wohl ganz schwer ueber das Ziel geschossen sein. Man stelle sich mal vor, dass ein Zeitschriftenladen auch gleich Abos abschliessen koennte, dafuer dann 30% Provision verlangt, den Verlagen aber auch noch jegliche Abo-Werbung in ihren Magazinen verbietet. Absurdistan hoch 3!
Ich bin mir sicher, dass die Android- und WebOS-Macher sich schon ganz emsig die Haende reiben.














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