By Casi
21 Sep, 2011 12:00 pm
Update: Seit gestern benoetigt ihr keine Einladungen mehr um euch bei Google+ anzumelden! Ein Grund, um noch einmal den tollen Testbericht von Carsten rauszukramen, damit die Neueinsteiger direkt wissen was da auf sie zu kommt. Wir beide sind uebrigens auch im Sozialen Netzwerk von Google aktiv (ok, ich ein wenig mehr als Carsten, die olle Facebook-Memme^^)und ihr findet unsere Konten hier (Carsten) und hier (Sascha).
Seit Mitte letzter Woche ist die Social Network-Welt nicht mehr die selbe wie zuvor. Seit dem Launch von Google+ höre ich unter dem Strich zwei grundlegend neue Erkenntnisse von den meisten Menschen, die Google+ bereits verwenden:
- Google kann auf einmal “social” – verwunderlich vielleicht, weil bisherige Versuche (Orkut, Wave, Buzz) daran zu scheitern schienen, dass Google zwar viele helle Köpfe beschäftigt, diese sich aber der Aufgabe Social Media vermutlich von der falschen Seite näherten.
- Facebook hat endlich einen ernst zu nehmenden Gegener gefunden – irgendwie ist jeder bei Facebook, und fast genau so viele haben am Social Network mit einer dreiviertel Milliarde Menschen an Bord was auszusetzen. Oft ist es der Datenschutz oder die mangelhafte Informationspolitik bei Neuerungen, manchmal sind es aber auch fehlende oder vermeintlich verschlimmbesserte Features. Sollte da tatsächlich Konkurrenz erwachsen, würden unter dem Strich auch die Facebook-Nutzer davon profitieren.
Aber erst einmal dazu, was Google+ eigentlich ist, denn vielleicht gibt es hier noch genügend Leser, die davon entweder nicht gehört haben, oder aber noch keinen Invite zum neuen Social Network erhalten haben.
Google+ ist wie Facebook, nur anders. Klingt komisch, ist aber so! Das Rad wird nicht neu erfunden, aber cleverer in einen neuen Kontext gesetzt. Zur Ähnlichkeit mit Facebook: Auch hier habt ihr einen Newsfeed, welcher jedoch Stream heißt, könnt Statusmeldungen abgeben, Videos, Fotos und Links sharen und natürlich Freunde finden und sortieren.
Dabei hat Google etwas berücksichtigt, was vielen Internet-Vordenkern schon lange in den Köpfen herumspuckte: “Wieso nehmen die nicht ihre ganzen erfolgreichen Komponenten und machen da ein vernünftig vernetztes Projekt raus?” Google hat hingehört und exakt das getan. Also präsentiert sich Google+ also auch in dieser frühen Betaphase schon als ein Konzept, welches aus verschiedenen Einzelteilen zusammensetzt wurde und welche (fast) perfekt ineinander greifen. Die einzelnen Komponenten lauten Circles, Hangouts, Sparks und Huddle. Dazu kommen noch Fotos und der Chat – und logischerweise das eigene Profil.
Circles:
Circles stellen das Herzstück von Google+ dar und sind schlichtweg als ein Geniestreich Googles zu bezeichnen. Zwar bietet uns Facebook weitreichende Möglichkeiten, verschiedene User-Gruppen zu definieren und Informationen nur an bestimmte Gruppen zu teilen, aber bei Google+ hat man direkt den Eindruck, als hätten die Macher das Prinzip weiter und zu Ende gedacht. Ein Unterschied zu Facebook fällt direkt ins Auge: Ich kann einen Kontakt direkt in einen Circle packen, muss also nicht warten, bis eine “Freundschaft” bestätigt wird. Werde ich von einem anderen Nutzer zu einem Circle hinzugefügt, bekomme ich logischerweise eine Nachricht darüber und kann entscheiden, ob ich diesen Menschen ebenfalls einem Circle zuordne, ihm lediglich folge oder ihn gar blocke.
Zwei Dinge machen für mich das Circles-Prinzip sensationell gelungen:
- Per Mouse-over kann ich jederzeit einen Kontakt einem beliebigen (oder neuen) Circle hinzufügen, aber ebenso leicht kann ich einen bereits bestehenden Kontakt in andere Circles verfrachten. Versucht mal, bei Facebook einen Freund aus einer Liste herauszunehmen und in eine neue zu verfrachten und ihr werdet Googles Vorgehensweise hier zu schätzen wissen.
- Ich kann keinen Inhalt – egal ob Status, Foto, Video oder Link – sharen, ohne damit konfrontiert zu werden, mit wem ich den besagten Inhalt teile. Egal, ob ich den Content mit einem Circle, einer bestimmten Person oder öffentlich teilen möchte, ich bin immer genau im Bilde. Dabei ist noch an der farblichen Kennzeichnung zu erkennen, ob ich meine Nachricht öffentlich (grün) oder nur eingeschränkt (blau) herausposaune. Weiterer Vorteil gegenüber Facebook: Ich erreiche auch Nicht-Mitglieder, indem ich einfach eine E-Mail-Adresse angebe.
Google gibt mir hier eine mächtige Waffe in die Hand, um sicherstellen zu können, dass ich jederzeit nur die Menschen mit dem Content erreiche, für die er auch gedacht ist. Nicht versteckt auf einer Unterseite, sondern immer absolut präsent!
Es ist vielleicht nicht kriegsentscheidend, sollte aber dennoch erwähnt werden: Die Circles-Seiten lassen mich auch deswegen so einfach meine Gruppen handhaben, weil es sehr schön gestaltet ist und ich jederzeit den Überblick habe. Dazu gibt es fein gemachte Animationen – wer es noch nicht gesehen hat, sollte mal testweise einen Circle anlegen und ihn direkt wieder löschen – ist jedenfalls witzig anzuschauen
Hangouts:
Für diese Woche wird erwartet, dass Facebook eine Zusammenarbeit mit Skype ankündigt, um seine Nutzer mit einem Videochat-Feature auszustatten. Dumm, dass Google da ein klein wenig schneller ist und zudem mit Hangouts eine Video-Anwendung präsentiert, die Skype teilweise alt aussehen lässt. Ihr chattet hier nicht einfach via Webcam mit einem beliebigen Kontakt, sondern könnt – falls gewünscht – auch gleich ganze Circles oder andere Personengruppen zu einer Videokonferenz zusammenrufen. Damit aber noch nicht genug: Ein ganz neues Gemeinschaftserlebnis in einem Videochat ist es, gemeinsam ein YouTube-Video zu betrachten. Sucht euch einen Clip aus und jeder, der am Hangout teilnimmt, kann direkt das gleiche Video betrachten. Ihr könnt individuell die Lautstärke pegeln und während des Videos wird jeder Teilnehmer pauschal stumm geschaltet. Logischerweise gibt es eine Schaltfläche, mit der ihr euch zu Wort melden könnt, wenn ihr eine Stelle im Clip kommentieren wollt.
Sparks:
Das ist der Punkt bei Google+, an dem ich über meine Interessengebiete informiert werden soll. Klickt euch einfach ein paar Schlagworte oder Themenfelder zusammen und aus eurem Stream wird ein News-Reader. Die dort gezeigten News lassen sich natürlich sofort wieder teilen und bestenfalls stoßt ihr unter euren Kontakten eine neue Debatte zum Thema an.
Für meinen Geschmack haben wir hier aktuell den einzigen wirklichen Schwachpunkt der Google+-Struktur. Wer wie Google mit seinem Such-Modul so überragende Suchergebnisse anbieten kann, darf mich nicht mit so einer willkürlichen Zusammenstellung an Links abspeisen. Hier fände ich ein Integration vom Google Reader perfekt. Ich hätte direkt innerhalb von Google+ meine abonnierten Themen und Blogs zur Verfügung und könnte sie kinderleicht wieder in meinen Stream einbinden, um sie mit meinen Kontakten zu diskutieren. Da das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt und Google hier so viel richtig gemacht hat bislang, bin ich daher guter Dinge, dass man bei Sparks noch an der Usability-Schraube drehen wird – und hoffentlich auch ein Reader-Feature bietet.
Zum Foto-Feature muss ich euch nicht viel erzählen, da es zum einen vom Anlegen neuer Alben, dem Teilen im Stream und dem Taggen der abgebildeten Personen exakt das tut, was man von einer Foto-Funktion in einem modernen Social Network erwarten darf und zum anderen logischerweise eng mit Picasa verzahnt ist. Bilder, die ich mit meinem Android-Smartphone machen, landen automatisch bei Picasa, sind dort aber natürlich zunächst nur für mich zugänglich. Spannend ist diesbezüglich noch, dass Google bei Picasa die Speicherplatz-Begrenzung aufgehoben hat, solang das Bild auf der längsten Seite nicht größer als 2048 Pixel ist. Es werden hier sicher nicht nur ausgewählte A-Blogger sein, die daher mit dem Gedanken spielen, Flickr zu Gunsten von Picasa Lebewohl zu sagen. Das mit dem unbegrenzten Speicherplatz gilt übrigens auch für Videos, die kürzer als 15 Minuten sind!
Ebenfalls nur kurz eingehen möchte ich auf den Chat, der quasi dem klassischen Google-Chat entspricht. Schön ist hierbei die Möglichkeit, ganze Circles zum Gruppenchat zu aktivieren. Solltet ihr über die Google+App auf Android chatten wollen, gibt es übrigens ein weiteres neues Feature von Google, welches sich Huddle nennt.
In der Galerie findet ihr übrigens noch ein paar Bilder der Google+App, die sehr schön zu bedienen ist und alle Aspekte vom großen Bildschirm toll auf den kleinen Screen transportiert. Auch bei der mobilen App habt ihr natürlich den Zugriff auf die diversen Streams und Circles, nutzt Huddles als Chat-Modul und mit dem nearby-Feature findet ihr sogar Google+User, die sich gerade in eurer Nähe befinden.
Wer mit einem Gerät wie dem Galaxy SII die App nutzt, hat mit Google+ übrigens einen weiteren Akku-Fresser installiert – wer hier wirklich intensiv mit Google+ beschäftigt ist, kann die Laufzeit seines Akkus empfindlich schmälern.
Google+ das Usability-Genie:
Ein ganz wichtiger Punkt bei Google+ ist die einfache Bedienbarkeit der einzelnen Elemente. Momentan befinden sich zwar fast ausschließlich ziemlich “nerdige” Menschen auf Google+, doch auch für den normalen Nutzer sollte die Bedienung des Networks nicht wirklich schwer fallen. Die meisten Dinge erklären sich von selbst oder werden in der ausführlichen (und auch deutschsprachigen) Hilfe bestens erklärt. Dass wir Nerds und Geeks hier fast unter uns sind, hat auch für Google Vorteile, denn so ist natürlich gewährleistet, dass alles wirklich auf Herz und Nieren getestet wird von Personen, die zumeist wissen, was sie tun und was sie einem solchen Portal technisch und strukturell abverlangen dürfen. Durch die enge Verzahnung mit anderen Google-Projekten ist natürlich zu erwarten, dass Chrome reichlich Unterstützung in Form von Erweiterungen bekommt. Viele Blogger, Beispiel Caschy, haben da ein Auge drauf und das spiegelt übrigens sehr schön wieder, was in der Blogosphäre gerade abgeht. Es ist wie eine Art Goldrausch, in der jeder irgendwie dabei sein möchte und jeder die gesehenen Dinge ausgiebig kommuniziert. So wird sich untereinander auf die Sprünge geholfen, was einzelne Features und Möglichkeiten von Google+ angeht, andererseits wird aber natürlich auch wertvolles Feedback für Google geliefert, die unermüdlich daran sitzen, die Technik zu verfeinern und neue Features hinzuzufügen.
Spreche ich von einem “Usability-Genie”, hat das auch damit zu tun, wie genial ich auch via Googlemail oder dem Reader auf Google+ zugreifen kann. Über die veränderte Google-Leiste am oberen Bildrand bin ich auch dann über neue Benachrichtigungen bei Google+ im Bilde, wenn ich eigentlich nur meine Mails checken möchte oder im Reader unterwegs bin. So sehe ich mit einem Blick, was los ist – und Google kann sich sicher sein, dass jede Sekunde meiner Aufmerksamkeit eine Sekunde ist, die ich nicht bei Facebook verbringen kann. Ein weiteres Highlight, was bislang in den Beiträgen vieler Blogger meiner Meinung nach zu kurz kommt: der +1-Reiter in meinem Profil. Hier sehe ich mit einem Blick, für welche Seite, welchen Clip, welchen Beitrag im Netz ich ein +1 vergeben habe. Das ist vielleicht maximal mittel-spannend, wenn ich auf mein Profil schaue, wenn ich aber auf Scoble oder ähnliche Kaliber schaue, habe ich einen feinen Blick auf das, was für die Tech-Größen dieser Welt gerade spannend und interessant ist – und verbessere dadurch auch meinen eigenen Radius, was Content-Quellen angeht.
Die Schwachpunkte:
Tja, da muss man sich schon ein wenig Mühe geben, wirklich Lücken im Konzept von Google+ zu entdecken. Aber da es sich noch um eine Betaphase handelt, hakt natürlich hier und da schon mal was oder gefällt einem ein Punkt noch nicht so richtig. Über den Stream möchte ich noch nicht wirklich abschließend urteilen, weil die Algorithmen diesbezüglich noch öfter verändert werden. Hier wurde vielleicht die meiste Kritik laut, denn die meisten möchten – wie von Facebook gewohnt – die neuste Meldung oben im Stream sehen, und nicht die Meldung mit den meisten Reaktionen oder mit der jüngsten Reaktion. Lasst uns das am besten selbst auswählen, wie der Stream dargestellt wird und alle sind glücklich.
Was ich oben schon ansprach, fällt ebenso in die Rubrik Schwachpunkt, wenngleich ich auch hier davon ausgehe, dass wir weit weg vom Endprodukt sind – ich rede von Sparks, dem Informations-Modul in Google+. Lasst mich hier auf meinen Google Reader zugreifen, ermöglicht das Einbinden von RSS-Feeds und ich habe kaum noch einen Grund, mich außerhalb von Google+ im Netz rumzutreiben.
Ich scheu mich davor, ein paar andere Dinge als Schwachpunkt zu bezeichnen, denn sowohl bei der Integration von Google Apps als auch der von YouTube gehe ich davon aus, dass sich die Herangehensweise noch grundlegend verändern wird. Es sollte der Fall sein, dass ich bei YouTube auf +1 klicke und der Clip – möglichst mit meinem Kommentar – bei Google+ erscheint. Aktuell passiert das nicht, der Link zum Clip wird lediglich auf meiner +1-Seite aufgeführt. Letzter Schwachpunkt, über den ich gestolpert bin: die noch fehlende Barrierefreiheit – hier kann und muss noch dringendst nachgebessert werden!
Fazit und Zukunftserwartungen:
Tja, Google+ – wo kann die Reise hingehen? Diejenigen, die aktuell Google+ nutzen sind sich sicher, dass wir hier kein neues Google-Waterloo wie Wave oder Buzz erleben, sondern es dem Suchgiganten erstmals gelungen ist, ein vernünftiges Konzept vorzustellen, wie die einzelnen Komponenten zusammen zu setzen sind, damit ein größeres Ganzes entsteht. Die Chancen und Möglichkeiten sind nahezu endlos, die sich sowohl Google als auch uns als Nutzer bieten. Das geht weit über Statusmeldungen und Fotos-Sharen mit Freunden hinaus, wird schon bald auch unternehmerisch eine wichtige Komponente sein. Dazu passt die Nachricht, dass wir auch hier die Möglichkeit haben werden in Zukunft, Unternehmensseiten anzulegen. Das und auch das Anbieten einer API gehört zu den Plänen, die Google für die nahe Zukunft vorschweben, um das Erlebnis Google+ noch umfassender zu gestalten. Richtet euch auf einen riesigen Run auf Google+ und auf eine Schwemme an Apps ein, die sich mit diesem Network befassen werden. Viele der Möglichkeiten, die sich uns hier bieten, werden wir im Laufe der nächsten Wochen und Monate wohl erst erahnen können. Readwriteweb hat schon mal auf eine Möglichkeit hingewiesen, die den Bereich Education aufmischen könnte. Das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten könnte nämlich ein ganz neues Unterrichts-Gefühl vermitteln. So können Lehrer mit ihren Schülern in speziellen Circles kommunizieren und Inhalte weitergeben, ohne das Risiko einzugehen, versehentlich Infos an nicht vorgesehene Empfänger zu senden. Per Hangouts kann sogar ein Lehrer entweder ins heimische Wohnzimmer kommen – oder ein Gastlehrer per Videochat in die Schulklasse.
Ihr seht, dass die Möglichkeiten das bei weitem Übersteigen, was Facebook derzeit zu bieten hat. Dennoch sträube ich mich dagegen, bei Facebook von einem zweiten MySpace zu sprechen. Zu groß ist die Zahl der User, zu eng sind Millionen Seiten mit Facebook durch die like-Buttons und Facebook Connect verzahnt. Aber hier wächst was Mächtiges heran, was jetzt schon einen ziemlichen Sucht-Charakter entwickelt, richtig viel Spaß macht, eine Menge Potential bereithält und technisch schon in dieser frühen Phase großartig funktioniert.
Da das Procedere um die Einladungen aktuell noch öfter wechselt, kann es sein, dass ihr euch nicht direkt Anmelden könnt. Das läuft großteils noch über geteilte Nachrichten, die an die E-Mail-Adresse der Person gehen, die eingeladen werden soll. Habt ihr also das Gefühl, dass ihr hier mit an Bord sein möchtet und habt noch keinen Invite, dann hinterlasst eure (Google-)Adresse in den Kommentaren – und teilt uns auch bitte sonst mit, was ich vom neuen Facebook-Gegner haltet und wie eure Erfahrungen aussehen. Mich findet ihr bei Google+ übrigens hier und den guten Sascha hier.
Und damit wir das Google+Erlebnis auch ordentlich abrunden, kann jetzt hier jeder, der diesen etwas lang geratenen Artikel bis zum Ende geschafft hat, links auf den +1-Button drücken oder einfach den dicken +1 Knopf hier unten anklicken!
{lang: ‘de’}
// ]]>



























Pingback: Social Network vom Suchmaschinen-Giganten: Google+ | iNews.de
Pingback: Was bringt Google+? – Mein erstes Resumée zum neuen Social Network | :: Tagestexte
Pingback: was ist eigentlich dieses Goggle+ ? | KarussellBremser – ein PaketSchubserProjekt