Gastkommentar: Quo vadis, Energie / Teil 2

May 1, 2009 von Matze 

Also: Vorwiderstand: Netzteilspannung
Kondensator: Akku
Lastwiderstand (Netbook): Verbraucher

So, was tut also der Tiefpaß? Er lädt und entlädt sich mit einer Geschwindigkeit, die davon abhängt, wie groß die Last und wie klein die Kapazität ist. Die Größe des Ladestroms ist natürlich auch entscheidend. Kleiner Akku, großer Rechner: Akku schnell leer, aber auch schnell wieder voll. Also ist eine hohe lade-entlade-Frequenz möglich.

Andersrum: großer Akku, kleiner Rechner, langsame Entladung, also eine niedrige Frequenz. Wenn ich jetzt in diesen großen Akku eine schnell wechselnde Spannung schicke, wird davon hinten nix ankommen, weil die große Kapazität zu träge ist, um der Wechselspannung zu folgen. Es kostet mich ja auch mehr Kraft ein Kettenkarussell zu beschleunigen, als eine Skateboardrolle. Oder gar die Drehrichtung umzukehren. Allerdings kann es auch sehr anstrengend sein, eine Skateboardrolle auf sehr hohe Geschwindigkeit zu bringen, sprich, ein System besitzt immer eine obere Grenzfrequenz, ab der die aufzubringende Energie überproportional ansteigt, um noch höhere Frequenzen durchzubringen. Hier sieht man mal den Frequenzgang eines Tiefpasses erster Ordnung, Exemplare höherer Ordnung zeichnen sich durch eine höhere Steilheit aus:

kurve

Man sieht: ab ungefähr F=50 steigt die Dämpfung, bei F=100 braucht man schon die doppelte Spannungsamplitude um am Ausgang wieder auf „0 dB“ zu kommen (jaja, nicht ganz sauber formuliert, reicht aber für unsere Überlegungen)

So, ich hoffe, dass die Elektroniker unter den Lesern noch ein wenig Farbe im Gesicht haben… und außerdem, worauf will der Knabe eigentlich hinaus?

Geduld, Geduld, wir habens gleich.

Wir erinnern uns an den Kondensator aus Teil I, man kann sagen, dass ein Kondensator immer entsteht wenn man an zwei leitende Schichten, zwischen denen ein Isolator liegt, eine Spannung anschließt, sich die eine Schicht mit Ladungsträgern füllt, auf der anderen Seite Ladungsträger abwandern. Schwupps, haben wir eine aufgeladene Kapazität. Sie steigt in etwa proportional mit der Fläche. Diejenigen unter euch , die gehofft haben, dass ich mich heute schon in den Tiefen des Chips verstricke, muß ich leider auf den dritten Teil vertrösten. Heute nehmen wir erstmal an, dass ein Chip einen R-C-Tiefpaß darstellt, was für heute reicht. In erster Linie besteht son Siliziummopped aus Schichten, die Energie speichern, also Kondensatoren, und Bahnwiderständen.

Manchmal liest man von Leuten, die ihren Arbeitsspeicher nicht mehr so hoch takten können, wenn sie zwecks Speicherausbau eine zweite Bank belegt haben. Nun ist so ein Speichercontroller ja auch eine Endstufe, die eine gewisse Schaltleistung bei einer gewissen Spannung zur Verfügung stellt. Addiere ich nun einen zweiten Tiefpaß, sprich Speicherriegel in mein System, erhöhen sich Widerstand und Kapazität meines sogenannten Übertragungssystems und die Grenzfrequenz verschiebt sich nach unten. Um wieder auf z.B. 1 GHz Takt zu kommen, muß ich also die Betriebsspannung anheben, damit mein Speicher wieder ordentlich den Unterschied zwischen „0“ und „1“ erkennt.

Zwischenfazit: je größer die Anzahl/Fläche von Chips, desto größer ihre Kapazität, desto niedriger die Arbeitsfrequenz, bei der Rechenleistung und Stomverbrauch in akzeptabler Relation stehen. Das blöde ist halt, dass solche Effekte immer Überproportionalen Charakter haben, wegen P=U²/R ( die kleine „2“ ist in der Formel der Bösewicht) .

Und zack!- schwebt mir da doch wieder eine Milchmädchenrechnung a la couleur vor:
Mal angenommen, der Atom wäre nicht in 45 sondern in 90 nm gefertigt worden, dann wäre ja seine Fläche in etwa 4 mal so groß. Diesen Faktor 4 würzen wir jetzt noch indem wir ihn quadrieren, in der Annahme, dass sich eine Flächenvergößerung im Quadrat auf die Leistungsaufnahme auswirkt und setzen die 2 Watt Leistungsaufnahme des Rechenzwergs ein. Wir landen bei 2Wx16=32 Watt, was für einen 90 nm-Prozessor mit der Transistorzahl erschreckend gut hinhaut… hanebüchen sagen die einen, besser ne schlechte Faustformel als gar nix die anderen.

Wenn wir diese (zugegeben sehr grobe) Annahme verwenden, ergeben sich für den Stromverbrauch hochfrequent schwingender Systeme folgende abschließende Thesen:

1.je kleiner die Fläche eines Chips, desto höher die theoretisch mögliche Arbeitsfrequenz
2.somit ist wiederum die Verlustleistung bei niedrigen Frequenzen kleiner
3.versuche ich, Systeme ans Limit zu schicken, komme ich früher oder später in einen Bereich, wo die Leistungsaufnahme in keiner Relation zum Mehrwert steigt.
4.wenn ich große Chips schrumpfe, werden sie weniger Verbrauchen
5.wenn ich Komponenten aufeinander abstimmen kann, sie sich sozusagen aufeinander einschwingen, kann ich die Verlustleistung reduzieren
6.je höher der Stromverbrauch einer Komponente ist, desto mehr sollte ein Hersteller anstreben, sie zu schrumpfen
7.wenn Prozessoren im bestmöglichen (kleinsten) Fertigungsprozeß hergestellt werden, sollte man andere Systemkomponenten hinzupacken, damit sie genauso schnell schrumpfen (so geschehen bei der Northbridge (Speichercontroller), oder bei SoCs)
8.Komplettplattformanbieter könnten durch Power Management schon in der Designphase einen Wettbewerbsvorteil erlangen.

So stellt Intel sich das vor:
arch2

Jaja, hamwa wieder was gelernt, über viele Sachen hatte ich mir vorm Schreiben dieses Artikels auch noch nicht so explizit Gedanken gemacht…

Letztenendes ist es eine Frage der Zeit, bis wir die ersten Feingetunedten Plattformen sehen werden, das Umdenken bei den Chipherstellern hat gerade erst begonnen. Der Prozessor ist nicht mehr zwangsläufig Energieverbraucher Nummer eins, nun muß das Drumherum genauer unter die Lupe genommen werden. Bei einem Netbook zählt schließlich jedes Watt, und Systeme bei denen die Northbridge 10 mal mehr Leistung zieht als der Prozessor selber will ich nicht mehr sehen!

Was steht noch auf der Agenda? Ach ja, das Display als „Großverbraucher“ sollte ich mir auf jeden Fall noch vornehmen, und wenn meine Recherchen so weiter gehen, kann ich euch endlich auf die Reise in einen Chip mitnehmen. Soviel sei an dieser Stelle verraten, es ist schon fast ein Paralleluniversum, in das wir uns hinabbegeben, wir werden feststellen, dass Einstein doch recht hatte, und manche Dinge eben doch dem Zufall überlassen sind. Heute werden wir den Weg nicht zu Ende gehen, aber wir haben ihn schon mal ein wenig platt getrampelt. Ich sag mal unter Vorbehalt:
„Bis nächste Woche!“.

Euer Milchmädchen

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  • Kommentare

    9 Antworten to “Gastkommentar: Quo vadis, Energie / Teil 2”
    1. langer-hans says:

      Wirklich klasse!
      Ich hab zwar sonst keine große Ahnung von dem Bereich, aber trotzdem lese ich deine Beiträge im Bezug auf Energieverbrauch sehr gerne! Die sind halt gut geschrieben und ich finde die Zusammenhänge kommen dabei sehrgut durch!

      Weiter so!!

      MfG

    2. gebelhard says:

      Um eines vorweg zu nehmen, SO einen Bullshit habe ich seit langem nicht mehr gelesen.

      Näheres:
      Mit großer Skepsis beendete ich beim letzten Mal die Lektüre des doch recht allgemein gehaltenen Blablas und nahm die angekündigte Drohung des Verfassers, das ein zweiter Teil folgen werde, gar nicht so recht wahr. Doch hatte er Wort gehalten und setzte sein Celebraldiarrhoe fort.

      Anscheinend muss das Milchmädchen diesmal so derbe auf die Kacke gehauen haben, dass sich sogar der einstellende Autor Matze mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat eines Fußballkommentators quasi moralapostelnd-schützend davor stellt, so nach der Art es gebe immer mehrere mögliche Meinungen etc, bloß haben wir hier ein Problem, die Technik steht soweit faktisch fest, da gibt es keine Auslegungsmöglichkeiten. Und das ist jetzt nicht als Angriff auf Dich gedacht, Matze, eher eine Anmerkung, dass Du gewisse inhaltliche Ungereimtheiten schon vermutet hast ;-)

      Es fängt schon damit an womit das Milchmädchen aufgehört hat, das Geseiere darüber es nicht zuuu technisch oder theoretisch machen zu wollen, nun ja was dann noch übrigbleibt, hätte man auch twittern können, allzu viel ist es nicht und technisch gesehen davon noch die Hälfte falsch. Weniger Blabla, mehr Fakten und nicht noch irgendwelche sinnentleerten Ausschweifungen über das Fermi-Problem.

      Es ist schon lustig zu lesen wie er absatzweise im Gröbsten einen Bruchteil der USB-Controller-Kommunikation zu beschreiben versucht, das hat aber mit dem von ihm selbst gewählten Thema „Plattform“ in etwa soviel zu tun wie [-baut euch einen unpassenden Autovergleich ein!-]

      Nicht zuletzt der merkwürdige Übergang zum spezielleren R-C-Tiefpass, lässt einem schon wieder das Frühstück von gestern hochkommen. Und überhaupt, sich nur an einer kleinen Behelfsschaltung aufzuhalten und auszuführen, weil man anscheinend meint etwas darüber zu wissen (und sonst nix kennt?!) plus absoluter Falschaussagen (mit Unwissenheit prahlen):
      Seit wann werden Widerstände geladen?
      Oder der Blödsinn mit R-C-Tiefpassen beim Akkuladen?
      In Netzteilen stecken wenn überhaupt L-C-Glieder und dann i.d.R. nur als Netzfilter
      Seit wann werden Akkus mit Wechselspannung geladen???
      Woher diese unpassenden Karussell-/Skateboard-Vergleiche?
      Achsenbeschriftung und fehlende Einheiten im *schau-her-ich-hab-da-mal-was mit Paint-gemalt*-Diagramm

      Signal- und Netztechnik werden in einen Kübel gekippt und Milchmädchen fischt sich raus was es gerade braucht und was sich „cool“ anhört.

      Warum sollte Elektroniker Farbe im Gesicht haben? Außer vielleicht Blutrot, weil man am liebsten den Verursacher dieses geistigen Armutszeugnis am nächsten Hochspannungsmast aufgeknüpft wissen will.
      Die Faustformel und die daraus geschlussfolgerten „Annahmen“ entbehren jeglicher Grundlage.

      Viele grundsätzliche Fakten- und Denkfehler hätte das Milchmädchen allein schon beim Lesen des Absatzes „Anwendung“ im entsprechenden Wiki-Artikel über Tiefpässe vermeiden können.

      Übrigens wird von BWLern gerne immer auf solche nicht-themen-bezogenen Sachen wie z.B. das Fermi-Problem verwiesen um eben abzulenken; sie haben nichts in der Hand (und Kopp), machen viel Blabla um nichts und wollen euch doch was verkaufen, es lebe der Schein. Mich würde es nicht wundern, wenn das Milchmädchen am 1. Semester der Wirtschaftsinformatik teilnnimmt, die meinen diesbezüglich dann auch immer nach 2 Wochen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

      Wie schont erwähnt, es war dem Autor wichtiger sich in einem Nachschlagewerk mit dem Fermi-Problem zu beschäftigen, statt mit den Dingen über die er einen Artikel verfasste, das lässt einige Rückschlüsse zu.

    3. pajama says:

      @gebelhard:
      so pauschal und polemisch wie dein Beitrag: Sei ruhig, du Freak!

    4. gebelhard says:

      @pajama: Argumente waren gestern wohl ausverkauft und an der Tanke heute auch keine mehr bekommen? Oder haben Trolle keinen Feiertag?

    5. simselmann says:

      @gebelhard, du bist mein neuer persönlicher Held. Ich bau dir grad nen Tempel aus meinem alten Zweitrechner und werde dir täglich ne Diskette opfern …

    6. Madonna says:

      peace!

    7. Paul says:

      @gebelhard, du bist mein neuer persönlicher Held. Ich bau dir grad nen Tempel aus meinem alten Zweitrechner und werde dir täglich ne Diskette opfern …

      bin dabei ;-)

    8. gebelhard says:

      @simselmann&&Paul: Ja, ihr mögt das vielleicht witzig finden und eure magnetischen Datenträger ehren mich zutiefst, aber ich reagiere bei solchen selbsternannten “Exbärden” ein wenig allergisch, denn es sind Typen wie ihr, die sich von so einem Quacksalber einlullen lassen und der eigentliche Fachmann im Geschäft/in der Werkstatt, z,B. Informationselektroniker, oder technischer Informatiker, darf sich dann mit euch Pseudo-experten (”… ich habs ja so irgendwo im Indernett gelesen”) rumärgern.
      Nicht mehr, nicht weniger.

    9. Karsten says:

      danke gebelhard, bin zwar noch lange nicht fertig mit dem e-technik studium aber soviel hanebüchenen mist hab ich auch lange nicht mehr ertragen.

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