By Casi
28 Nov, 2011 11:00 am
Dank getgoods.de hatte ich jetzt einige Wochen das nagelneue Samsung Galaxy Note im Haus und habe es ausführlich unter die Lupe nehmen können. Hier werde ich euch jetzt aufbröseln, was das Gerät zu bieten hat, welche Dinge besonders klasse geworden sind und was vielleicht eher unschön aufgefallen ist.
Look and Feel:
Als Erstes möchte ich – so sind wir Männer nun mal – auf das Äußerliche eingehen. Klar, mit 5.3 Zoll ist das ein mächtiger Klotz. Mit 178 Gramm liegt das Galaxy Note super in der Hand, fühlt sich gut an und das Design gefällt mir sogar noch besser als das des Samsung Galaxy 2, welches dem edel wirkenden Rahmen geschuldet ist. Auch der Akkudeckel erinnert stark ans Galaxy S2. Hier handelt es sich wieder um einen sehr leichten Kunststoff, der auf mich persönlich immer einen etwas billigen und wenig stabilen Eindruck macht, sich im Einsatz aber als überaus robust erweist. Im Gegensatz zum S2 befindet sich die Front-Cam dieses Mal auf der rechten Seite.
Das Einzige, was mich in Sachen Haptik/Design ein klein wenig stört, ist die Unterbringung des S-Pen. Der ist nämlich für einen Menschen mit meinen Wurstfingern nicht immer ganz einfach aus dem Gerät zu ziehen. Der Stift selbst übrigens fühlt sich klasse an in der Hand und es macht Spaß, das Note damit zu bedienen. Ausnahme: Wenn ihr den dort angebrachten Button betätigen wollt. Dessen Anbringung halte ich für sehr unglücklich und ich habe mich in den letzten Wochen so manches Mal darüber geärgert, wie umständlich der zu bedienen ist. Hier hat Samsung definitiv noch Potential.
Die Zahl der am Note befindlichen Buttons ist recht überschaubar. Ihr findet auf der linken Seite die Lautstärkewippe, rechts den Power-Button und vorne ist der Home-Button untergebracht, der verglichen mit dem Galaxy S2 etwas länger daherkommt. Oben befindet sich die 3.5 mm Klinke für die Kopfhörer und unten wie gehabt der micro USB-Anschluss für das Lade-/Datenkabel. Generell ist es ein sehr stylisches und toll verarbeitetes Gerät, bei dem nichts wackelt oder rappelt. Trotz des Kunststoff-Deckels fühlt sich das Note – allein schon durch den Metall-Rahmen – sehr edel und wertig an. Für viele der interessanteste Punkt ist ja die enorme Größe des Galaxy Note. Ihr müsst euch wohl oder übel damit abfinden, dass man das Teil besser mit zwei Händen hält. Das hat weniger mit dem Gewicht zu tun – auch zocken oder lesen macht sich da selbst über einen längeren Zeitraum negativ bemerkbar – sondern tatsächlich mit der Größe. Liege ich hier auf der Couch, mag das alles noch in Ordnung sein, aber selbst da kann ich nicht einhändig jeden Punkt auf dem Screen so bequem erreichen, dass ein sicherer Halt gewährleistet ist. Deshalb würde ich in der Stadt im Gedrängel oder in einer vollen U-Bahn auch tatsächlich davon abraten, das Note einhändig bedienen zu wollen – zu schnell ist es einem da mal aus der Hand gerutscht.
Display/Menüführung:
Wer nicht schon geflasht ist von dem Aussehen des Geräts an sich, der ist spätestens dann begeistert, wenn er das erste Mal das 5.3 Zoll große Display im Einsatz sieht. Der SuperAMOLED HD-Screen mit seinen 1280 x 800 Pixeln haut mich echt um, und nachdem ich mich mit dem Note beschäftigt habe, macht jeder Blick auf mein Galaxy S2 mich ein wenig traurig. Hier hat Samsung die Messlatte ziemlich hoch gelegt – egal, ob Smartphone oder Tablet, das nächste Device wird sich an diesem Display messen lassen müssen. Die Farben sind brillant und das Display lässt sich auch aus spitzem Winkel bestens betrachten. Die Bedienung sollte jedem leicht fallen, der sich schon einmal mit einem Android-Gerät befasst hat. Ihr habt verschiedene Homescreens, die ihr natürlich nach Lust und Laune verändern könnt, und die dort untergebrachten Widgets könnt ihr kinderleicht verschieben oder entfernen, teilweise auch in der Größe anpassen. Wie gewohnt kommt hier die TouchWiz 4.0-Oberfläche zum Einsatz. Ich muss zugeben, dass TouchWiz und ich wohl nie beste Freunde werden. Hier und da eine wirklich sinnige Ergänzung möchte ich nicht abstreiten, aber mit sicher kein Kauf-Argument. Speziell auf dem Note hat man der Oberfläche noch zusätzliche Features verpasst. Zum Einen findet sich unten in der Button-Leiste de zusätzliche Punkt S Memo. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, kommt hier der S-Pen getaufte Stylus zum Einsatz. Ihr könnt hier Notizen aufschreiben, aber natürlich auch malen. Zudem findet ihr mit “S choice” auf dem Home Screen einen Menüpunkt, mit dem ihr im Samsung App Store speziell für das Galaxy Note ausgerichtete Anwendungen herunterladen könnt. Zum Beispiel findet ihr hier Anwendungen, mit denen ihr wesentlich schöner zeichnen könnt als mit der eher rudimentären App, die vorinstalliert ist.
Der S-Pen:
Wenn wir schon vom Stylus reden, will ich dazu auch gleich ein paar Worte verlieren. Selbst in meinen großen Pranken liegt der Stift – wie ich oben schon erwähnte – eigentlich sehr angenehm in der Hand und lässt mich recht ordentlich navigieren, egal ob ich im Netz unterwegs bin oder mich durch die verschiedenen Homescreens bewege. Mit dem Button allerdings stehe ich ehrlich gesagt etwas auf dem Kriegsfuß. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich nochmal schauen muss, wo dieser winzige Knopf ist und muss öfters umgreifen, um ihn tatsächlich verwenden zu können. In der Praxis verwendet ihr diesen Knopf zum Beispiel dazu, um Screenshots zu erstellen. Dazu tippt ihr mit dem Pen auf das Display und haltet den Button einen Moment gedrückt. Alternativ zum virtuellen Keyboard könnt ihr auch den Stylus verwenden, um eure Angaben handschriftlich zu machen. Das klappt natürlich nicht immer, aber erstaunlich oft ist die Worterkennung richtig gut. Aber auch hier gilt für mich: Dank gelungener Texterkennung bei der virtuellen Tastatur ziehe ich die allemal der handschriftlichen Eingabe vor. Ich möchte jetzt nicht davon reden, dass der Stylus obsolet ist, aber wirklich wichtig ist er mit Sicherheit nicht für jeden. Wer sich öfters Notizen macht, hin und wieder ein Bildchen malt oder ein Foto mit Schrift oder Verzierungen aufwerten möchte, hat allemal einen Nutzen durch den Stylus. Für die normale Bedienung, sprich beim Navigieren durch die Screens oder beim Surfen sehe ich den Mehrwert ehrlich gesagt nicht.
Das “Innenleben”:
Kommen wir nun dazu, was sich im Gerät verbirgt und uns diese tolle Performance ermöglicht. Während alles jetzt schon anfängt, nach Quad Core-Devices zu rufen, haben wir es hier mit einem Exynos Dual Core zu tun, welcher auf dem Cortex A9 basiert. Pro Kern bekommt ihr hier 1.4 GHz geboten, dazu dann die Mali-400MP GPU und 1 GB RAM. 32 GB Speicher intern sind schon eine ordentliche Ansage, aber mit Speicherkarte könnt ihr das noch einmal verdoppeln. Der Slot für die microSD-Karte befindet sich ebenso wie der Slot für die SIM-Karte verborgen unter der Abdeckung, oberhalb des Akkus.
Akkuleistung und Benchmarks:
Apropos Akku: Nachdem ich ja in Sachen Akkuleistung einiges Leid gewohnt bin durch mein Galaxy S2, war ich einigermaßen pessimistisch, was das Note angeht. Nun aber die freudige Überraschung: Selbst, wenn ich mehrere Telefonate führe, Musik höre, im heimischen WLAN surfe und gelegentlich Games zocke, komme ich mit einer Akkuladung über einen kompletten Tag. 24 Stunden sind da also locker drin, aber das richtet sich natürlich auch immer danach, wie intensiv ihr die verschiedenen Anwendungen nutzt. Was die Benchmarks angeht, so muss eine nackte Zahl oft ja nicht annähernd so viel aussagen, wie sich das Device im produktiven Einsatz verhält. Daher habe ich mal gleich eine ganze Horde Benchmark-Tests durchlaufen lassen und habe alternativ die gleichen Tests mit dem Galaxy S2 gemacht, um euch einen direkten Vergleich zu ermöglichen:
Hier habt ihr den kompletten Überblick der Tests:
Wie ihr seht, hängt das Note in diesen Tests fast durch die Bank das Galaxy S2 deutlich ab, schlägt bei AnTuTu sogar das Galaxy Nexus. Interessant hierbei finde ich zudem den Performance-Schub, den das Teil durch das Update auf Android 2.3.6 erhalten hat. Es wird ja mit 2.3.5 ausgeliefert und erreichte dabei einen Quadrant-Wert von 3327, nach dem Update sind es immerhin 3517!
Die Kamera:
Wir haben vorne eine Cam mit für Videochat sehr ordentlichen 2 Megapixeln, während die Cam hinten wie schon beim S2 mit satten 8 Megapixeln daherkommt. “Satt” wäre dann auch das passende Attribut, wenn wir über die Farben reden. Obwohl die Megapixel-Zahl identisch ist, wirken die Fotos des Galaxy Note auf mich lebhafter, eben wegen der satteren Farben. Hier habe ich ein paar Vergleichsfotos, jeweils das obere ist mit dem Galaxy Note gemacht worden, das untere mit dem S2:
Das ist übrigens der Weihnachtsmarkt in Dortmund und im Bild findet ihr seine Haupt-Attraktion – den größten Weihnachtsbaum der Welt! Nimm dies, New York
Hier nochmal das Gleiche nachts:
Natürlich könnt ihr mit dem Baby auch HD-Content produzieren und während ich bei den Indoor-Ergebnissen ohne zusätzliches Licht nicht voll überzeugt bin, sehen die Aufnahmen draußen wesentlich besser aus. In der höchsten Auflösung (1.920 x 1.080) fokussiert die Cam oft nicht besonders flott, aber das kenne ich so ähnlich bereits von dem Galaxy S2. Für Smartphone/Tablet-Verhältnisse jedenfalls eine sehr ordentliche Cam, aber auch hier gibt es für mich einen Wermutstropfen – die Größe! Möchte ich Fotos oder Videos mit dem Gerät machen, neige ich jedenfalls dazu, lieber beide Hände zu gebrauchen. Das geht allein schon nicht anders, weil die Bedienelemente, die links und rechts untergebracht sind, im Landscape-Modus mit einer Hand auch gar nicht zu erreichen wären. Für den gelegentlichen Schnappschuss ist sowohl die Foto- als auch Video-Funktion absolut ausreichend.
Multimedia/Internet:
Gerade hier möchte Samsung – neben dem S-Pen – natürlich punkten. Das große und sensationell klare Display ist dafür wie gemacht, sich Content unterwegs reinzuziehen. Dabei ist es egal, ob wir uns im Internet bewegen, oder uns Videos anschauen wollen. HD-Filmchen könnt ihr zwar nicht im vollen 1080p-Glanz bestaunen, aber selbst runtergerechnet auf 720p ist es eine wahre Freude, auf langweiligen S-Bahn-Fahrten seine Lieblings-Serien anzuschauen. Die Wiedergabe ist dabei absolut flüssig und ruckelfrei und auch der Ton weiß zu Gefallen. Das gilt sowohl für die eingebauten Lautsprecher, die den Umständen entsprechend ordentlich geraten sind als auch für die Kopfhörer-Ausgabe. Auch das Surfen ist ein Genuss. Dank großem Display lässt sich alles wunderbar entspannt betrachten und flüssiges “Pinch to zoom” setze ich bei so einem Highend-Gerät voraus und wurde hier auch nicht enttäuscht. Bei dieser Größe macht es übrigens durchaus Sinn, sich statt den mobilen Seiten die “normalen” anzeigen zu lassen. Der vorinstallierte Browser lässt das leider nicht extra konfigurieren, aber bei Opera oder Dolphin geht das problemlos.
Beim Vergleich mit dem Galaxy S2 sind mir zwei Dinge aufgefallen: das Note ist minimal schneller beim Seitenaufbau, allerdings ruckelt es beim Scrollen manchmal etwas unangenehm. Mag zu verschmerzen sein, ist aber schade, dass man hier das Niveau vom S2 nicht ganz halten kann. Spätestens aber, wenn Ice Cream Sandwich im neuen Jahr für das Galaxy Note kommt, erwarte ich aber, dass dieser Schönheitsfehler ausgemerzt wird.
Telefon/Sprachqualität:
Was ich persönlich am seltensten mit meinem Smartphone mache? Telefonieren! Ich surfe, twittere, schreibe Facebook-Updates, zocke, schicke Whatsapp-Nachrichten und höre Musik – telefonieren findet da irgendwie kaum statt. Dennoch habe ich es natürlich für das Note mal getestet und mir sind dabei zwei Dinge aufgefallen: Die Sprachqualität ist echt in Ordnung, von technischer Seite spricht also gar nichts dagegen, diesen Klotz auch als Telefon zu gebrauchen. Aber die Größe: Ich würde mit dem Teil also nicht ewig telefonieren wollen, dazu sieht es auch ein klein wenig behämmert aus, wenn man mit dem Ding am Ohr in der Stadt rumflitzt – wenn auch nicht ganz so übel wie beispielsweise bei dem Galaxy Tab mit 7 Zoll, welches ebenfalls über eine Telefon-Funktion verfügt
Mein Fazit:
Tja, womit soll man da anfangen? Vielleicht erst einmal mit der Erklärung, dass das hier mein erster größerer Test für netbooknews.de ist und ich hoffe, dass ihr nachsichtig seid, wenn ich einen Punkt übersehen oder nur zu knapp berücksichtigt habe, der für euch wichtig ist. Lasst einfach in den Kommentaren hören, was euch interessiert und ich kann sicher noch einmal einen Artikel nachlegen, der darauf eingeht
Beim Gerät selbst bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Seit der ersten Ankündigung des Gerätes und der Frage, ob wir eine Produkt-Klasse zwischen Tablet und Smartphone brauchen, bin ich der Lösung nicht wirklich näher gekommen, was ich von diesem Formfaktor halten soll. Fakt ist, dass einige Dinge wirklich ein wenig schwer fallen bei so einem großen Device. Dafür jedoch ist es zum Konsumieren von Inhalten – egal, ob Musik, Video oder Internet – sensationell gut geeignet. Jemand, der wirklich viel telefoniert, wird vermutlich mit dem Galaxy Note nicht hundertprozentig glücklich. Wer sich aber – wie ich – hauptsächlich Content reinhaut, ein paar Games zockt und somit wirklich von dem 5.3 Zoll Display profitieren kann und eher selten telefoniert, für den ist das Galaxy Note auf jeden Fall eine Option. In diesem Fall könnte man sich sogar überlegen, das Note nicht als zusätzliches Gerät zu kaufen, sondern das Smartphone tatsächlich zu ersetzen. Dadurch würde auch der hohe Preis von etwa 560 Euro nicht wirklich negativ ins Gewicht fallen, als Zwei-Device hingegen wäre mir das Geld zu schade.
Auch der S-Pen hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Für kreative Köpfe, die gerne Zeichnen oder Fotos bearbeiten, ist der Stylus auf jeden Fall eine Bereicherung. Ich mag auch die Möglichkeit, beispielsweise ein Foto oder einen Screenshot in Sekundenschnelle mit einigen Worten versehen und über Facebook, Twitter und Co teilen zu können. Wer jedoch all diese Dinge seltener oder gar nicht benötigt, kann das Note ebenso gut – bzw besser – mit den Fingern bedienen. Allein schon der schlecht durchdachte Button am Stylus macht mir Bauchschmerzen. Dafür punktet Samsung aber mit dem wirklich gelungenen Design, welches sich vor allem durch den Aluminum-Rahmen um einiges hochwertiger präsentiert als beim Galaxy S2.
Für mich persönlich werden alle Vor- und Nachteile von dem großartigen Display überstrahlt. Selten hab ich so viel Spaß daran gehabt, unterwegs zu surfen und jedes Mal bin ich wieder aufs Neue entgeistert, wenn ich mich nach der Galaxy Note-Benutzung meinem S2 zuwende. Ich würde jetzt gern die ultimative Kaufempfehlung aussprechen bzw von einem Kauf abraten, aber ich fürchte, dass man es nicht so pauschal sagen kann. Samsung möchte hier gern eine Produktklasse etablieren, die für jeden Sinn ergibt, aber ich persönlich glaube, dass wir hier wirklich eher eine Nische bedienen. Wer viel telefoniert und keine Verwendung hat für den S-Pen, wird das Galaxy Note als alleiniges mobiles Device kaum verwenden wollen, allen anderen sei geraten, sich das Galaxy Note mal persönlich anzuschauen, um ein Gefühl für die Größe bzw die Haptik zu bekommen. Wer mit dem Formfaktor klar kommt und gerne und oft unterwegs konsumiert, für den ist das Galaxy Note durchaus eine Anschaffung wert.
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