By Sascha
08 Feb, 2012 11:00 am
Ich gebe ehrlich gesagt zu, dass ich den Frank Patalong ein wenig auf Spiegel Online vermisse. Immerhin gebuehrte mir die Ehre ein zentraler Bestandteil seines letzten Artikels zu sein, der auf offenbarende Art und Weise zeigte was Patalong unter investigativen Journalismus verstand, als er ueber die Linkkauf-Affaere aka Bloggergate berichtete und den Geschaeftsfuehrer der Onlinekosten GmbH mit einer Ladung Wattebaeschchen bewarf, anstatt einfach mal ein paar richtige Fragen zu stellen (ich habe eine Stellungnahme nach der Zusendung seiner Interviewfragen uebrigens abgelehnt!)
Patalong war durchaus unterhaltsam aber nu isser ja leider nicht mehr und somit brauchte die Netzwelt-Redaktion bei Spiegel Online offenbar Ersatz, der dann mit einigen Monaten Anlauf nun auch seine erstes groessere Komoedie auffuehren durfte, eingerahmt von nicht zu uebersehender Werbung fuer Produkte aus Cupertino:
Nein, ich werde jetzt keine Verschwoerungstheorien stricken, dennoch darf die Frage erlaubt sein, ob Konrad Lischka seine Android Abrechnung unter dem Einfluss der erdrueckenden iPad 300x250er Bloecke geschrieben hat oder sich einfach nicht mit der Tatsache auseinandersetzen will, dass ein Galaxy S auch mit Gingerbread kein Elektroschrott ist.
Ich will jetzt nich Erbsen zaehlen und darauf rumreiten, dass das SGS inzwischen 18 Monate alt ist (im Text wird dann gerne auf 10 Monate beim Launch von ICS verwiesen, was einfach nicht stimmt)oder dass mein iPad 1 mit iOS lustige Ruckelorgien hinlegt (aber hey, immerhin habe ich iOS 5 drauf und in Anlehnung an Klischkas Einleitung moechte ich noch bemerken, dass es nun auch schon einige Features hat, die mir von Android seit 2 Jahren bekannt sind), zwischen der Update-Politik eines Hardware-OEMs , der zudem Android heftigst anpasst, (Sense fuer das HTC Flyer und TouchWiz fuer das Galaxy S)und der Entwicklung von Android wichtig ist jedoch zu unterscheiden.
Das will Konrad Lischka aber ueberhaupt nicht, denn es geht ihm darum eine moeglichst dicke Breitseite rauszuhauen und deshalb muss es halt Google und Android anstatt Samsung und HTC heissen. Das ist praktisch die journalistische Smartbomb mit Streufaktor, denn so kann man auch noch gleich Motorola, ASUS, Acer, LG, Lenovo, Huawei, Medion, ZTE, Amazon, Sony, etc. pp. mit reinziehen. Diese Firmen nutzen alle Android und haben keine Ahnung was sie damit ihren Kunden antun!
Wenn die schicke Bluetooth Tastatur (wollte er wirklich auf einem mobilen OS und einem 7-inch Display journalistisch taetig werden und ist dieser mehr als wagemutige Kompromiss vielleicht ein Grund fuer die bescheidene Faktenlage des Artikels?)nicht funktioniert, dann koennte es durchaus auch wieder an der entsprechenden Kombo Hardware/Software des jeweiligen OEMs liegen. Es gibt genug deutsche User die Honeycomb Tablets mit BT Keyboards von Logitech oder Motorola ohne Probleme mit einem Qwertz-Layout nutzen! Aber halt, Lischka haette dies ja auch mit einer 10 Euro App hinbekommen wie er schreibt:
Es gibt auch Apps, die – für zehn Euro – diesen Mangel beheben und Android-Geräte dazu bringen sollen, Tastaturen mit Nicht-US-Layouts zu verstehen. Auf meinem HTC Flyer funktioniert das nicht, andere Kunden machten ähnliche Erfahrungen.
Nicht nur, dass er zum einen verschweigt welche App das sein soll und wo andere Kunden aehnliche Erfahrungen gemacht haben, nein er verlinkt dann auch gleich noch auf einen Patch fuer das Iconia Tab A500 und auf eine Anleitung zur Veraenderung des Char-Layouts. Da kann man dann natuerlich passend nachlegen:
Ein Android-Nutzer mit Tastaturproblem hat diesen Vorschlag: Man könne doch “die Keymap einfach mit einem Hex-Editor öffnen und zeichenweise anpassen”. Hat er auch gemacht (“Dafür habe ich zwischen ein bis zwei Stunden gebraucht – wie schnell man das Zeitgefühl verliert”), aber geholfen hat auch das nicht, er kann immer noch nur im US-Layout tippen.
Es ist schön, dass man bei Android Systemdateien bearbeiten kann. Aber das kann bei einem Mainstream-Betriebssystem nicht die Voraussetzung sein, um externe Tastaturen zu nutzen.
In gefuehlten 10 Sekunden habe ich folgenden Artikel auf Androidpit gefunden, der die App BlueKeyboard Pro empfiehlt und die kostet hier in Taiwan umgerechnet 1,39 Euro! Ab aufs HTC Flyer damit und eine Logitech BT Tastatur gepaired, die eigentlich fuer das iPad 2 gedacht war. Heureka es klappt, aber das passte einfach nicht in den Masterplan von Lischka (halt, stop… ich wollte das doch mit den Verschwoerungstheorien sein lassen)
Richtig tief in die Spin-Kiste greift er aber in Bezug auf die Update-Politik der Hersteller:
Die Hersteller brauchen oft Monate, um Android für ihre Geräte anzupassen. Manchmal geht es trotzdem schief. Nach der Aktualisierung meines HTC-Tablets auf Android 3.2 ließ es sich nicht mehr ausschalten oder neustarten, es lief einfach weiter und wurde immer wärmer. Der Kundenservice sagte: einschicken! Zum Glück war der Akku völlig leer, bevor ich das Paket abschickte. Nach dem erneuten Aufladen startete das Tablet wieder normal.
Fernab der Tatsache, dass dieses Problem fuer mich bisher nicht nachvollziehbar (und offenbar auch nicht online dokumentiert)ist, so frage ich mich doch ganz ehrlich warum er das Geraet abschickte, wenn doch dann nach einem erneuten Aufladen wieder alles problemlos funktionierte? Da wird doch wohl keiner ein OTA-Update gefahren haben, mit nem fast leeren Akku und ohne Netzteil in Griffweite?
Nein, es ist viel einfacher hier ein Bild des nicht benutzbaren Android OS zu zeichnen, als HTC und Samsung zu erklaeren, dass offenbar das Flyer ein fundamentales Problem hat und das Galaxy S von Samsung mit dem 2.3.3er Update verhunzt wurde (der Akkubug ist inzwischen laengst behoben, denn wir sprechen hier ueber eine Android-Version die Samsung bereits im Fruehjahr 2011 auslieferte, was Lischka natuerlich gekonnt verschweigt).
Die Frage bleibt, warum Lischka meint, dass Google nachsitzen muss? Muss Microsoft nachsitzen oder Intel, wenn Windows 8 nicht mehr mit GMA3150 Treibern ausgeliefert wird und somit auch nicht mehr auf meinem ersten Eee PC laeuft?
Lieber Konrad, wir alle kennen die Probleme von Android und vor allen Dingen die der Hersteller mit einer heftigst ins System integrierten UI. Samsung und HTC sind da wirklich die absoluten Paradebeispiele mit Sense und TouchWiz, aber mal ganz ehrlich: Das ist das Ergebnis eines ueber sechsmonatigen Langzeittests? 6 Monate lang wurde versucht eine Bluetooth-Tastatur mit QWERTZ-Layout zu installieren? Ein halbes Jahr kollabierte das Flyer nach dem 3.2er Update vor sich hin und fast 180 Tage lang war der Akkubug beim 2.3.3er Update des SGS bekannt?
Wer soll das bitteschoen auch nur annaehernd fuer bare Muenze nehmen (ganz ehrlich, diese Phrase wollte ich immer schon mal raushauen^^), wenn dann im letzten Teil dieses Artikels dann noch folgender Abschnitt auftaucht:
Ich bin das Risiko nur eingegangen, weil das Samsung-Update mein Android-Smartphone ohnehin nutzlos gemacht hatte. Und ich traute freiwilligen Android-Hackern eher als Samsung zu, diesen Fehler zu beheben. Dass man nach einigen Wochen Android-Nutzung derart das Vertrauen in die Software der Hardware-Hersteller verliert, sollte Google zu denken geben.
Nicht Google muss da nachsitzen, sondern HTC, Samsung und vor allen Dingen Konrad Lischka, denn der Artikel war einfach ziemlich fuer die Fuesse und gehoert genauso ins digitale Nirvana geschickt wenn er aehnlich ueber iOS oder WP 7 philosophiert haette. Vielleicht sollte sich der Spiegel-Autor in Zukunft einfach ein Handset goennen, welches seinem technischen Verstaendnis entspricht:















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