By Roland
15 Jun, 2009 6:57 pm
So allmählich dämmert mir, was Intel mit seinen in Sachen Leistung nur geringfügig verbesserten neuen Pineview-Atoms vor hat – es geht darum, den Trend zu mehr Mobilität weiter zu verstärken und ganz nebenbei den Markt für ultramobile PCs gegen die drohende Konkurrenz der Smartbooks zu verteidigen. Dies vermuten zumindest die Analysten, die sich gegenüber Computerworld zu Intels Plänen geäußert haben.
Für die neuen Atoms, deren Taktraten mit 1,66 GHz gleichauf oder nur geringfügig höher liegen als die der aktuell verfügbaren Intel Atom N280 bzw. N270 Prozessoren, gilt das Moorsche Gesetz nicht mehr wirklich, schließlich dürfte ihre Leistung kaum höher liegen. Durch die Integration von CPU und GPU auf einem Chip, ist aber immerhin eine geringe Steigerung der Leistung zu erwarten, weil die Strecken zwischen den einzelnen Komponenten deutlich verkürzt werden, sagt zumindest Nathan Brookwood von Insight64.
Durch die Schrumpfung der Chips und eine Verringerung der nötigen Anzahl kann Intel zudem die Kosten deutlich reduzieren. Wenn Intel diesen Kostenvorteil an die Netbook-Hersteller weitergibt, können sie sich so besser den wahrscheinlich nochmal ein Stück günstigeren Smartbooks entgegen stellen. Ein niedrigerer Preis wäre nach Einschätzung der von Computerworld zitierten Analysten der beste Weg für Intel, im Wettbewerb mit den günstigen und äußerst effektiv arbeitenden ARM-Prozessoren zu bestehen. Diese halten derzeit in Form von Qualcomm Snapdragon, Freescale i.MX515 oder auch Nvidia Tegra in diversen Netbooks bzw. Smartbooks Einzug.
Insgesamt sehen die Analysten Intel im Wettbewerb mit den Smartbook-Herstellern und der Chipsatzkonkurrenz bei Netbooks mit Pineview gut aufgestellt. Nur wenige Kunden würden letztlich wirklich auf die zusätzliche Grafikleistung von Nvidias ION Plattform angewiesen sein, so ihre Meinung. Schließlich sei es auf Netbooks zwar kaum möglich, hochauflösende Videoinhalte zu konsumieren, die meisten Kunden würden dies aber ohnehin nicht vor haben. Sollte dennoch bedarf bestehen, könne mit Beschleuniger-Chips nachgeholfen werden.
Diese sind in Kombination mit den Atom-CPUs und Intels dazugehörigen Chipsätzen für die Hersteller immer noch eine günstigere Wahl als etwa Nvidias ION-Chipsatz, der für einen kräftigen Anstieg der Kosten sorgt. Außerdem soll die Leistung der bei Pineview integrierten GMA500-Grafikeinheit laut Jon Peddie Research dank zweier zusätzlicher Pipelines und einem von 133 auf 200 MHz gesteigerten Takt höher liegen als beim im 945GSE-Chipsatz integrierten GMA950. Insgesamt mache dies Nvidias ION für die meisten Kunden überflüssig, stimmte Brookwood von Insight64 zu.
Letztlich habe Intel außerdem nur wenig Interesse daran, die Atom-Prozessoren im Netbook-Bereich zu populär werden zu lassen. Schließlich fürchtet der Halbleiterkonzern nichts mehr als eine Kannibalisierung der Verkäufe seiner teureren und lukrativeren anderen CPU-Modelle. Während der Computex war außerdem bereits von Intel-Vertretern zu hören, dass Netbooks für das Unternehmen ohnehin nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu noch kleineren Geräten sind. So brüstete man sich – wie Sascha zu berichten weiß – damit, mit der für Ende des Jahres angekündigten Moorestown-Plattform ohnehin, “die besseren Smartbooks” bauen zu können.
Fassen wir also zusammen: Intel will um jeden Preis den Erfolg der Smartbooks verhindern. Im Netbook-Bereich versucht man deshalb die Kosten zu senken, um so den preislichen Vorteil der mit ARM-CPU ausgerüsteten Geräte hinfällig zu machen. Moorestown soll außerdem als Basis einer neuen Generation von Mobile Internet Devices (MIDs) den Erfolg der Smartbooks unterbinden. Letztlich tut Intel also alles, um seine Aktionäre mit höheren Dividenden auch in Krisenzeiten zu beglücken. Eine Erfüllung spezieller Kundenwünsche steht dabei allerdings nicht auf dem Plan.
[Quelle: Computerworld und MeetMobility Podcast]












