By Roland
02 Jul, 2009 4:25 pm
Nvidia gibt sich derzeit gern mal ein wenig schizofren, wenn es darum geht, die eigenen Produkte zu bewerben. Einerseits versucht man derzeit mit den eigenen PC-Chipsätzen im Netbook-Markt Fuß zu fassen. Andererseits posaunt die Mobile-Abteilung der Grünen derzeit überall heraus, dass die Tage von Netbooks auf Basis von Intels Atom-Prozessoren und angeblich sogar x86-Chips im Allgemeinen gezählt sind. Natürlich will Nvidia so die Aufmerksamkeit auf die neue Tegra-Plattform und die kommenden ARM-Netbooks zu lenken. Ja was denn nun?
Im Gespräch mit der Financial Times ließ sich Michael Rayfield, General Manager von Nvidias Abteilung für Mobile Geräte nun zu der oben erwähnten Prognose hinreissen. Seiner Auffassung nach kommen in den nächsten sechs Monaten mit den ARM-basierten Netbooks Geräte auf den Markt, denen Intel einfach nichts entgegen zu setzen hat. Tegra sei “der um Längen fortschrittlichste, ultra-low-power, HD-fähige Computer auf dem Planeten”, so Rayfield in bester PR-Manier. Atom hingegen sei bei günstigen Netbooks ein “Non-Starter”.
Die Geräte mit dem Intel Atom und seiner dazugehörigen Plattform hätten nur einige Stunden Laufzeit (äh, mein D150 rennt mal eben 8,5 Stunden?!) und einen erheblich höheren Standby-Verbauch. Während bei Tegra nur einige Mikrowatt benötigt würden, liegt die Standby-Leistungsaufnahme bei Atom-Plattformen zwischen vier und fünf Watt, so seine Behauptung. Atom sei deshalb nichts weiter als ein “dehydrierter Notebook Chip”. Die Tage von Atom und seinem Chipsatz neigten sich deshalb dem Ende entgegen, weil das Nutzungserlebnis einfach nicht gut gewesen sei.
Gut gebrüllt, grüner Löwe. In der Folge gab sich Herr Rayfield dann doch wieder etwas zurückhaltender. Die Zukunft des Atom liege in “High-End Netbooks”, die bis zu 600 US-Dollar kosten. Hier sieht er dann wohl auch die eigenen Chipsätze à la ION gut aufgehoben. Bei günstigeren Geräten sollen Tegra und Co die Intel-Technik aber möglichst verdrängen, wobei hier Preise von 100 bis 200 US-Dollar und Akkulaufzeiten von 10 bis 20 Stunden angestrebt werden. Im Vergleich zu anderen ARM-Lösungen für Netbooks sieht Nvidia sich übrigens dank der Erfahrungen mit der Entwicklung von Grafik-Hardware bestens aufgestellt.
Auf lange Sicht soll Tegra innerhalb kürzester Zeit bis zu 50 Prozent zu Nvidias gesamten Einnahmen beitragen. Träumt weiter, sage ich. Ich setze mich jetzt einfach mal auf den dünnen Ast und behaupte, dass Tegra & Co anfangs nur wenige Fans finden werden. Was will ich mit einem “Netbook”, das kaum mehr kann als ein Multimedia-Player à la Apple iPod touch oder Microsoft Zune? Dann kann ich mir doch gleich ein solches Gerät holen, schließlich steckt in ihnen sogar die gleiche Hardware. Der nette Versuch, den Kunden Multimedia-Player mit supergroßem Display und Tastatur andrehen zu wollen, dürfte mal kräftig in die Hose gehen, wenn den Herren in Grün und ihren Mitstreitern nicht mal ganz schnell noch eine “Killer-Applikation” einfällt.
Wenn ich einen PC will, auf dem Windows läuft, dann komme ich nicht an Intel und den anderen x86-Herstellern vorbei. Außerdem hat Intel mit den neuen Pineview-Atoms bereits die nächste Generation seiner ULV-CPUs für Netbooks und MIDs in der Hinterhand, um damit dem derzeit mit viel Trara aber wenig echter Substanz anrollenden Smartbook/ARM-Netbook Zug die Gleise wegzureissen. Immer diese Träumer in den PR-Abteilungen. Genug gebellt.
[Quelle: Financial Times]














